Brutvogelkartierung

17.04.2016 – Die Vorbereitungen
Da momentan noch keine Saison ist, finden – zumindest in den Gebieten der Vogelwarte – noch relativ wenige öffentliche Veranstaltungen wie Wattwanderungen oder ornithologische Führungen statt. Beschäftigt sind wir natürlich trotzdem. Neben den wöchentlichen Vogelzählungen findet zwischen dem 11. April und dem 10. Juni die Brutvogelkartierung statt.
Dazu wurde dieser Zeitraum in Zählabschnitte unterteilt, in denen wir in unsere Gebiete, die nochmals in kleinere Bereiche eingeteilt sind, gehen und nach Brutpaaren Ausschau halten. Theorie und Übung dazu fanden während unseres Einführungsseminars auf Amrum statt.
Mein erstes Kartierungsintervall für Kiebitze und Uferschnepfen begann am 16. April, ein Intervall dauert 5 Tage. In der ersten Hälfte des Kartierungszeitraumes werden die Niedrigwasser-Arten gezählt, danach die Hochwasser-Arten.

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Ich habe 4 Gebiete zum Kartieren. Da ich gestern und heute jeweils eine Wattwanderung habe, habe ich den Start für mein erstes Intervall auf morgen gelegt. Heute war ich mit dem Rad in einem meiner Gebiete unterwegs, um zu schauen, wo Wege langführen und von wo aus man einen guten Blick in die Felder hat. Es ist das Gebiet im Hinterland, das man vom Deich aus am schlechtesten überblicken kann. Zu meiner Beruhigung ist es aber kleiner, als es auf der Karte wirkte.

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Morgen geht es also los. Ich habe hier 7.39 und 20.00 Uhr Niedrigwasser, ich muss also früh aufstehen – brrr!
Auf meiner Begehung heute habe ich ein Kiebitz-Paar, ein Rotschenkel-Paar und ein Austernfischer-Paar gesehen, außerdem konnte ich Brandgänse bei der Balz beobachten 🙂

20.04.2016 – Der erste Zähldurchlauf

So. Das erste von insgesamt 8 Zählintervallen ist geschafft. Innerhalb von 3 Tagen habe ich 4 Gebiete ausgezählt. Eigentlich zählt man momentan nur Kiebitze und Uferschnepfen, man soll aber eigentlich alles zählen, was wie ein Brutpaar aussieht.
Im ersten Durchlauf habe ich gesehen:

44 Grauganspaare
31 Austernfischerpaare
18 Brandganspaare
13 Kiebitzpaare
9 Rotschenkelpaare
7 Uferschnepfenpaare
4 Pfuhlschnepfenpaar
3 Säbelschnäblerpaare
2 Sandregenpfeiferpaare
1 Kormoranpaar

Die Zahlen können sich noch ändern, da sich möglicherweise nicht alle Zweiergrüppchen am Ende wirklich als Brutpaare herausstellen. Ich habe im ersten Durchlauf lieber zu viele als zu wenige notiert.

Beim heutigen Gang durchs Hinterland haben mich 2 Kolleginnen begleitet. Wir waren erstaunt über die 7 Uferschnepfenpaare, Uferschnepfen sind wohl recht selten. Ich habe das erste Mal Säbelschnäbler gesehen und wir konnten Austernfischer bei der Paarung beobachten.

Auch für mich ist die Brutvogelkartierung ganz nützlich: Am Freitag findet meine erste ornithologische Führung statt und ich weiß nun, wo wer im Gelände sitzt und vielleicht sogar brütet 🙂

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Seminar auf Amrum

Vom 04. bis zum 08. April fand das Einführungsseminar für die HalbjahresBFDler auf Amrum statt. Hier lernten wir alles, was wir die nächsten 6 Monate für die Arbeit wissen müssen, und noch ein kleines bisschen mehr. Untergebracht waren wir im Schullandheim Ban Horn – es fühlte sich an wie eine Klassenfahrt. So war das Seminar dann auch eine gute Möglichkeit, die Freiwilligen der anderen Stationen sowie einige Hauptamtlichen und ihre Arbeit kennenzulernen.
Am Montag trafen wir uns vormittags alle im Nationalparkhaus in Husum. Hier gab es erste kurze grundlegende Vorträge z.B. über Pressearbeit und Schutzgebietsbetreuung, außerdem erhielten wir unsere T-Shirts. Danach ging es mit der Fähre nach Amrum und zu Fuß ins Schullandheim. Unterwegs erwischte uns ein richtig fieser Regen, was für ein Start. Das Wetter blieb leider durchwachsen, aber das Programm war eh so voll, dass kaum Zeit blieb, um mal an den Strand zu gehen oder die Insel zu erkunden.

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Am 1. Abend spendierte ein Bäcker aus dem Ort uns Friesentorte

Nach dem Abendessen machten wir noch eine Exkursion ins Watt und beschlossen den Abend mit einer Präsentation über Würmer. Ja, über Würmer. Denn im Watt tummeln sich viel mehr Würmer als der allseits bekannte Wattwurm.
Nach dem Frühstück ging es am nächsten Morgen mit Spielen weiter. Wir spielten Schweinswal und Hering. Mit Augenklappen und Rufen, um zu simulieren, wie ein Schweinswal seine Beute findet. Da er in der trüben Nordsee nichts sieht, stößt er Klickgeräusche aus, die von Gegenständen und Lebewesen zurückgeworfen werden, wodurch er sich ein räumliches Bild seiner Umgebung schaffen kann.
Weiter ging es mit Kompass-Navigation. Bisher war ich froh, wenn ich ablesen konnte, wo Norden ist. Jetzt kann ich – zumindest theoretisch – auch meinen Standpunkt angeben. Falls ich im Watt mal von Nebel überrascht werde, was hoffentlich nie passiert.
Anschließend besuchten wir das Naturzentrum Norddorf, wo wir übten, Stationen in Ausstellungen (interessant) zu erklären. Unsere Gruppe stellte die Big Five des Wattenmeeres vor: Seehund, Kegelrobbe, Seeadler, Schweinswal und Stör. Letzterer kommt in der Nordsee wegen Überfischung nicht mehr vor.
Am Nachmittag begann der für mich wichtigste Teil. Von Mitte April bis Mitte Juni kartieren wir die Brutvögel in unseren Gebieten. Das heißt, wir ziehen mit Karten und Spektiv durch die Gegend und notieren, wo wie viele Vögel brüten. Obwohl der Bruterfolg auf Sylt wegen des Fuchses sehr gering ist, versuchen es immer wieder mal Brutpärchen – allerdings immer weniger. Die anderen sind nach Amrum oder Föhr abgewandert, wo es keinen Fuchs und somit höhere Chancen auf Bruterfolg gibt. Wir hörten einen Vortrag über die Methoden und einen über die Auswertung. Die Ergebnisse der letzten Jahre könnt ihr hier sehen.
Am Mittwochvormittag probten wir unser neuerworbenes Wissen bei einer Kartierübung entlang des Deiches. Ein bisschen graut mir immer noch vor der Kartierung, ob ich alle Vögel erkenne, ob ich darunter alle Brutpaare erkenne, was, wenn meine Ergebnisse total falsch sind?, aber trotzdem konnte mich das Seminar und vor allem die praktische Anwendung beruhigen.
Am Nachmittag ging es um den Nationalpark und dessen Nationalparkgesetz (oder besser: die Ausnahmen und Sonderregelungen dieses Gesetzes) und um die Landschaftsgeschichte des Wattenmeeres. Wie und wann ist es entstanden und was ist seitdem passiert. Welche Inseln haben sich verlagert, welche sind entstanden und welche sind untergegangen. Zur Vorbereitung auf den Vortrag spielten wir Scharade – ich musste eine Hallig darstellen und scheiterte grandios.
Der Donnerstag startete wieder mit Spielen, danach wurde es ernst. Nach Vortrag und Praxisvorführung sind wir nun formal berechtigt, verletzte Wildvögel zu töten, wenn es die Situation erfordert. Verpflichtet dazu sind wir allerdings nicht. Glücklicherweise, denn selbst im Notfall wüsste ich nicht, ob ich das könnte.
Der Nachmittag war erfreulicher. Nach einer Einführung in den BeachExplorer machten wir eine Strandwanderung. Der BeachExplorer ermöglicht die Einspeisung und Bestimmung von Dingen, Pflanzen und Lebewesen, die man an/in der Nordsee finden kann. Endlich kam auch die Sonne heraus, so war es gar nicht sooo schlimm, dass ich bis zu den Knien im Wasser stand, weil ich ohne Gummistiefel losgezogen war.

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Der Abend endete mit einem Vortrag über Fischerei und die damit einhergehenden Veränderungen der Fischbestände.
Und am Freitag ging es dann auch schon wieder zurück. Unser Terminplan war so vollgestopft, dass wir einige Veranstaltungen ausfallen lassen mussten. Trotzdem begannen unsere Tage um 8 Uhr mit dem Frühstück und endeten die Vorträge gegen 22 Uhr. Es war anstrengend, jeden Tag stürmten wir regelrecht die Küche, aber es hat auch viel Spaß gemacht und ich habe diese 4 Tage für meine kommende Arbeit hier vor Ort als sehr hilfreich empfunden.

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Tschüs, Amrum

Meine zweite Woche auf Sylt: Party, Party, Party!

Vor dem Aufenthalt habe ich beschlossen, während der sieben Monate Tagebuch zu führen. Bisher fand ich das immer ziemlich albern, nicht nur, meine Gedanken aufzuschreiben, sondern vor allem, sie im Nachhinein zu lesen. Doch hier stellt es sich als schöne und auch nützliche Tätigkeit heraus. So habe ich, wenn das Ganze vorbei ist, was sicher schneller passieren wird, als mir lieb ist, einen schönen Rückblick und viele tolle Erinnerungen. Außerdem hilft es mir, meine Gedanken zu sortieren und trägt sicher – neben der Seeluft und der Arbeit im freien – dazu bei, dass ich besser einschlafen kann. Darüber hinaus ist es auch fürs Bloggen sehr hilfreich, denn her passiert einfach so viel, dass ich ohne diese Gedankenstütze echt aufgeschmissen wäre.

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Das passiert, wenn man bei Hochwasser am Strand spazieren geht: Man bekommt nasse Füße.

 

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Der Blick vom Schiff auf den Hörnumer Leuchtturm

Die dritte Woche ist nun schon zu Hälfte vorbei und in den letzten 1,5 Wochen ist sooo viel passiert! Neue Veranstaltungen kamen kaum mehr dazu, aber menschlich war es einfach eine superschöne Zeit. Und wegen der vielen Partys auch ein bisschen anstrengend 😀

Los ging es letzten Donnerstag. Da der Winter vorbei ist und die Winterprojekte (weitestgehend) fertiggestellt sind, gab es eine kleine Feier mit Lagerfeuer. Am Freitag haben zwei der Bufdis in ihren Geburtstag reingefeiert, weswegen wir hier volles Haus hatten. Gäste der Geburtstagskinder und Leute von anderen Stationen (es gibt fünf auf Sylt), alle kamen in der Bretterbude zusammen und verwandelten die Schutzstation in eine Disco.

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Meine zukünftige Badestelle sowie der Zugang zur Wattwanderung

Und über Ostern sollte es nicht ruhiger werden. Viele Ehemalige des letzten Jahrgangs kamen zu Besuch. Da es öfter solche Ehemaligen-Treffen gibt, dachten wir Neuen uns nichts dabei, doch so harmlos war der Besuch dann doch nicht. Unsere Taufe stand bevor. Ich möchte da jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber der Alkohol floss in Strömen und am Ende landeten wir bei 5°C in der Nordsee. Wir bekamen unsere eigenen Kutten überreicht und gehören jetzt zu den Schutten – das sind die (ehemaligen) Mitarbeiter der Schutzstation. Trotz des Alkohols und der albernen Spiele war es tatsächlich ein bewegendes Ereignis. Für die nächsten 6 Monate darf ich mich jetzt Nationalpark-Betreuer nennen 🙂

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Natürlich habe ich auch seriöse Dinge getan: Ich habe an Wattwanderungen, einer Strandwanderung und der Aquariumtierfütterung teilgenommen, war auf dem Schiff, habe zwei Mal die Südspitze umrundet und Bernstein geschliffen – und dabei habe ich richtig viel gelernt. Außerdem hat einer der Ehemaligen uns die Bauwagen und die Umgebung gezeigt. Er hat uns erklärt wo die Treffpunkte für die Watt- und die ornithologischen Führungen sind und wo die Strecken entlangführen. Das hat mich sehr beruhigt, denn bereits am Freitag ziehe ich in den Bauwagen! Morgen fahre ich zum Lüften und Putzen hin und dann kann es losgehen.

Anfangs hat mir ein bisschen vor den ersten 3 Wochen in der Bretterbude, also auf engstem Raum mit vielen anderen Menschen, gegraut. Da mir der Abschied von Leipzig, Lina und meinen Jungs recht schwer gefallen ist, wollte ich mich einfach nur verkriechen. Gleichzeitig hatte ich die Hoffnung, dass mir die Menschen hier keine Gelegenheit geben würden, mich zu sehr zurückzuziehen und mich zu sehr in Selbstmitleid zu suhlen – und genau so ist es gekommen. Nach den ersten zwei Tagen, die ich etwas Ruhe für mich brauchte, blieb ich abends immer länger in der gemütlichen Küche. Wir saßen zusammen,hörten Musik, redeten, aßen gemeinsam und spielten. In der Bretterbude spielt es keine Rolle, woher du kommst, wie alt du bist oder was du vorher gemacht hast. Jeder wird hier unglaublich herzlich willkommen geheißen und aufgenommen. Trotz der Vorfreude auf den Bauwagen werde ich diese Zeit und die Menschen hier vermissen und bin sehr dankbar, dass ich hier sein durfte.

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Bernstein – Das Gold des Meeres

 

Meine erste Woche auf Sylt

Ich bin da. Ich bin auf Sylt.

Heute vor einer Woche bin ich angekommen. Die ersten 2 bis 3 Wochen wohne ich allerdings noch nicht im Bauwagen, sondern in der Schutzstation in Hörnum, denn hier werde ich eingearbeitet. Das heißt, ich begleite die aktuellen BFDler und FÖJler bei ihren Veranstaltungen und lerne für meine eigenen.

Normalerweise begleitet man die anderen täglich auf Wattführungen, im Winter finden sie allerdings nur ca. 2 Mal die Woche statt, weswegen ich auch viele andere Veranstaltungen begleite, um genug Wissen anzuhäufen, das ich dann bald selbst weitergeben kann. Meine anfängliche Angst davor, selbst Wattwanderungen durchzuführen, hat sich dadurch etwas gelegt. Ich würde jetzt aus dem Stand heraus keine machen wollen, aber mittlerweile traue ich sie mir zumindest zu.

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Nachdem ich am Montag sehr herzlich willkommen geheißen wurde, ging es am Dienstag direkt los: Die erste Wattwanderung stand an. Nach einem kurzen Spaziergang über die Düne beginnt die eigentliche Führung. Natürlich erfährt man Interessantes über das Watt und seine Bewohner, man bekommt aber auch viele Informationen über die Dünen (Dünenschutz ist Inselschutz!), über die hiesigen Brut- und Rastvögel und über Salzwiesen.

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Eine Wattkartierung ist eine ganz schön schmutzige Angelegenheit

 

Am Mittwoch führten wir eine Wattkartierung durch. Wir bildeten 3 Gruppen und arbeiteten dann jeweils 40 Stationen ab, die ca. 50m auseinander lagen. Mit Pflöcken steckten wir eine 1m² große Fläche ab und untersuchten diese dann anhand vorgegebener Punkte: Wie hoch ist die Oxidationsschicht? Wie hoch sind der Algen- und Seegrasanteil? Wie viele Muscheln, Schnecken, Würmer gibt es? Wie viel der Fläche ist mit Wasser bedeckt? Wir haben ein kleines und ein großes Rohr in den Boden gesteckt, um auch die tieferen Schichten nach Wattschnecken zu durchsuchen. Wattschnecken sind nur ca. 1mm groß, was die Zählung erschwerte. Diese Kartierung wird ein Mal im Frühjahr und ein Mal im Herbst durchgeführt und ist die dreckigste Arbeit, die es zu verrichten gilt. Nicht nur, weil sie irgendwann in eine Schlickschlacht ausartet. Obwohl ich nur der Schreiber war, war ich am Ende ganz schön knülle. Immerhin sind wir 4 Stunden durchs Watt gestapft.

Collage Vögel

Solche Vogelschwärme muss ich bald zählen. Oje.

Am Donnerstag habe ich den derzeitigen Vogelverantwortlichen auf eine Gänsezählung in meinem künftigen Gebiet begleitet. Zu beiden Seiten des Deiches saßen die verschiedenen Gänse sowohl im Wasser als auch auf den Wiesen. Bewaffnet mit Fernglas, Spektiv, Zähluhr und Vogelbestimmungsbuch ging es los. Wir sahen Graugänse, Ringelgänse, Brandgänse und Blessgänse und auch einige andere Vögel, die wir aber nicht zählen mussten. Während die Wattwanderung natürlich bei Ebbe stattfindet, wird die Vogelzählung bei Flut durchgeführt, weil die Vögel dann näher beisammen sitzen und besser zu zählen sind. Zwischendurch machten wir eine Rast an meinem Bauwagen – leider hatten wir keinen Schlüssel dabei – und ich plante schon mal, wo ich am besten Lina anpflocken kann. Mitte April hole ich mein Baby nach und dann muss alles für sie vorbereitet sein. Als wir einmal in der Gegend waren, besuchten wir auch gleich noch das Morsumer Kliff, unterwegs sahen wir Lämmchen und durchquerten sogar ein kleines Wäldchen. Ja, doch, ich werde es schön haben 🙂

Collage Zählung

Da morgen die Ausstellung in der Arche wiedereröffent wird, haben wir am Freitag (Achtung!) klar Schiff in der Arche gemacht (ha ha!). Die Ausstellung befindet sich n einem alten Pfarrhaus, in dem tatsächlich auch noch Gottesdienste stattfinden, weswegen das Thema in die Ausstellung integriert wird: Mitten im Ausstellungsraum befindet sich ein Teil eines Schiffes mit einer Dokumentation ausgestorbener Arten. Die Ausstellung ist zweigeteilt: Im unteren Bereich befindet sich der Besucher unter Wasser, hier gibt es Aquarien und Informationen zu den Wasser- bzw. Meeresbodenbewohnern. Im oberen Teil befindet man sich über Wasser, hier findet man Wissenswertes über Vögel und Robben, aber auch über die Meeresverschmutzung und Überfischung. Für Kinder gibt es eine Rallye zum Selbsterkunden der Ausstellung.

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In diesem Heft stehen meine Termine von April bis Oktober. An meinem Geburtstag habe ich bisher frei 🙂

Am Samstag stand keine Veranstaltung an, so konnte ich mit der anderen BFDlerin, die in einem zweiten Bauwagen wohnen wird, nach Westerland fahren. Sie zeigte mir ein bisschen die Stadt, wir holten Flyer für unsere Veranstaltungen ab und ließen Plakate sowie Warnschilder für Brut- und Rastgebiete ausdrucken und laminieren. Eine unserer ersten Aufgaben wird es sein, 2 Sandinseln, die als Brut- und Rastfläche genutzt werden, zu befestigen, damit die Vögel nicht von Touristen gestört werden. Dazu haben wir bereits eine Erkundungstour mit einer Nationalpark-Rangerin gemacht.20160315_140542

 

Gestern hatte ich einen vergleichsweise vollen Terminplan. Um 12 nahm ich an einer Führung durch die Arche teil. In den Aquarien sitzen viele Tiere die ich bei meinen Wattwanderungen kennen und erklären muss. Um 14 Uhr fand eine Fahrt zu den Seehundsbänken mit Seetierfang statt, auch hier wurden wieder viele Meeresbewohner erklärt – langsam lerne ich tatsächlich dazu. Und um 16 Uhr war wieder eine Wattwanderung.

Collage Seetierfang

Durch die vielen verschiedenen Veranstaltungen, die sich aber alle um das gleiche Thema und die gleichen Tiere drehen, fühle ich mich langsam aber sicher gut vorbereitet. Ein gutes Gefühl. Und so sehr ich die gemeinsamen Ausflüge und das gemütliche Zusammensein abends in der Küche genieße, freue ich mich doch sehr darauf, bald in den Bauwagen zu ziehen. Auch wenn mir ein bisschen vor der Kälte graut. Denn obwohl hier oft die Sonne scheint und ich mir sogar schon 2 Mal die Nase verbrannt habe, ist es doch noch ganz schön kalt und natürlich sehr windig.

Bestimmt habe ich irgendwas vergessen, aber ich hoffe, ich konnte euch einen guten Einblick in meine erste Woche auf Sylt vermitteln.

Thomas Asbridge/Susanne Held: Der größte aller Ritter und die Welt des Mittelalters

Als mir Der größte Ritter aller Zeiten von Thomas Asbridge als Rezensionsexemplar angeboten wurde, war ich erst unsicher, ob ich es annehmen sollte. War ich überhaupt geeignet, ein Sachbuch über einen Teil des englischen Mittelalters nicht nur zu lesen, sondern zu bewerten? Zwar interessiere ich mich sehr fürs englische Mittelalter, doch mein Wissen bezog ich bisher aus Romanen von Rebecca Gablé. Andererseits hatte ich im Laufe des Studiums bereits einige Originaltexte aus dem 12. und 13. Jahrhundert gelesen, wieso also kein Sachbuch der heutigen Zeit?

Thomas Asbridge schildert anhand der Biografie des Ritters Guillaume le Maréchal nicht nur die Entstehung und Entwicklung des Rittertums, die Stellung des Ritters innerhalb der mittelalterlichen, adligen, royalen Welt, die Realität des Kriegshandwerkes und die dynastischen Ent- und Verwicklungen zwischen England, Frankreich und der Normandie, sondern er beschreibt auch die Lebensumstände der Menschen im Mittelalter – vom kleinen Grundbesitzer bis zum König.

Guillaume ist deshalb so geeignet für eine solche Darstellung, da er sich, als Sohn eines kleinen Landadligen, geboren inmitten des Hin und Hers zwischen König Stephen und Kaiserin Maud, vom einfachen Ritter zum wohl tatsächlich größten Ritter aller Zeiten hochgearbeitet hat. Am Ende seiner Laufbahn wird er nicht nur einer Reihe von Königen gedient, sondern die Geschicke Englands auch selbst in seinen Händen gehalten haben.

Inhalt und Schreibweise

Dem Buch zugrunde liegt eine Biografie Guillaume le Maréchals, die bereits wenige Jahre nach seinem Tod geschrieben wurde und sich somit auf Aussagen zum Beispiel seines Sohnes stützt. Auf 400 Seiten breitet Thomas Asbridge die gesamte Lebensgeschichte Guillaumes aus, von dessen Geburt im Jahre 1147 bis zu seinem Tod im Jahre 1219. Und diese Lebensgeschichte hat es in sich. Geboren als Sohn eines normannischen Landadligen mit Grundbesitz in Südengland, kommt er schon sehr früh mit den Schwierigkeiten, die man am Hof so haben kann, in Berührung: Er wird eine Geißel König Stephens, der mit der Ermordung des kleinen Guillaume droht. Es wird nicht sein letzter Ausflug ins höfische Leben bleiben.

Guillaume le Maréchal war Ritter, gefürchteter Turnierkämpfer, souveräner Höfling, Kreuzfahrer, Diener von 5 Königen und am Ende sogar Regent des Königreichs. Seine größte Tugend, die ihn immer wieder auch schwierige Situationen meistern ließ, war die Treue zu seinem jeweiligen König. Diese wirklich unverbrüchliche Loyalität zieht sich durch sein ganzes Leben und so unverständlich so auch manchmal anmutet, ist sie doch der Leitfaden durch ein Leben am Hof, das gleichfalls von Regeln wie Intrigen gezeichnet ist.

Da sich Thomas Asbridge auf eine authentische Biografie stützt, ist sein Portrait sehr ausführlich, gleichzeitig hinterfragt er die Vorlage immer wieder und prüft die Details anhand anderer, manchmal objektiverer Quellen, auf ihren Wahrheitsgehalt. So bekommt der Leser nicht nur einen sehr persönlichen, sondern auch fundierten Einblick in das Leben dieses faszinierenden Ritters. An manchen Stellen war mit Asbridges Biografie ein bisschen zu persönlich und wertend, das ist man von deutschen Sachbüchern so nicht gewohnt.

Aufbau und Ausstattung

Der eigentlichen Biografie ist ein Vorwort vorangestellt, in dem erklärt wird, unter welchen Umständen die zugrundeliegende Biografie gefunden wurde. Allein das war schon spannend, fast wäre sie nämlich verloren gegangen.

Die Biografie ist in vier Teile untergliedert: Kindheit und Jugend, Erwachsenenalter, die mittleren Jahre und Altersjahre. Jedes Alter beschreibt eine Etappe im Leben Guillaumes und in der Entwicklung Englands: wie wird man Ritter, der Ritter im Turnier, der Ritter im Kampf für den König, der Ritter als Herrscher.

Der Biografie beigeordnet sind im vorderen Teil Karten Englands, Frankreichs und der Normandie sowie eine Aufstellung der wichtigsten Personen, im hinteren Teil farbige Bilder und ein Register, es gibt 2 Notenapparate. Fußnoten bieten ausführlichere Informationen zum Text, Endnoten bieten Quellen und somit vertiefende Lesehinweise. Die Zählung der Endnoten beginnt bei jedem Abschnitt neu, was ich ziemlich unübersichtlich finde, andererseits wäre die Zahl der Fußnoten sonst riesig geworden. Ein zweites Lesebändchen wäre hier hilfreich gewesen.

Fazit

Ich habe mir für die Biografie Guillaume le Maréchals viel Zeit gelassen und die Lektüre sehr genossen. Neben Fakten über die Entstehung des Rittertums, die dynastischen Entwicklungen des Hauses Platagnet und das Leben im Mittelalter schildert die Biografie auch einige Anekdoten und persönliche Details aus dem Leben des größten Ritters. Obwohl Thomas Asbridge ein Sachbuch geschrieben hat, bietet seine Biografie somit nicht nur Informationen, sondern auch Unterhaltung.

Zwar ist die Biografie sehr persönlich geschrieben, gleichzeitig prüft Thomas Asbridge die zugrundeliegenden Informationen immer mit anderen Quellen, wenn der ursprüngliche Biograf Fakten beschönigt oder ganz weglässt, um Guillaume in einem besseren Licht dastehen zu lassen.

Da mir der Stil manchmal zu persönlich war, ich mir ein zweites Lesebändchen gewünscht hätte und aufgrund einiger Schwächen, die ich auf die Übersetzung zurückführe, gebe ich 4 Sonnen und eine absolute Leseempfehlung – nicht nur für Freunde des englischen Mittelalters. ☼☼☼☼

Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars 🙂

Guillaume le Maréchal

Format: Hardcover, 478 Seiten

Verlag: Klett-Cotta

Erscheinungstermin: 24. Oktober 2015

Preis: 29,95 €

 

Literatur im Bauwagen

Bücher sind wichtig. Auch wenn man in einem Bauwagen am Meer lebt. Gleichzeitig ist aber der Platz in einem Bauwagn recht begrenzt. Ich habe in den letzten Wochen mal ein bisschen gesammelt, welche Bücher ich während dieser 7 Monate lesen möchte.

  • Ernest Hemmingway: Der alte Mann und das Meer (Rowohlt)
  • Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg (Piper)
    • Der Klassiker für einen solchen „Ausstieg“.
  • Sarah Kuttner: 180° Meer (Fischer)
  • Thomas Mann: Tonio Kröger (✔)(Fischer)
    • Die Lieblingserzählung vom Lieblingsautor
  • Manuel J. Smith/Evelyn Linke: Sage Nein ohne Skrupel (mvg)
  • Sylvain Tesson: In den Wäldern SIbiriens (Knaus)
    • Ich habe den Autor bei einer Lesung auf der Buchmesse gesehen, seitdem will ich dieses Buch lesen. Welche Zeit wäre passender?
  • Jackie Thomae: Momente der Klarheit (✔)(Hanser)
  • Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich (✔)(KiWi)
  • Roger Willemsen: Die Enden der Welt (Fischer)
    • Nach einer Begegnung auf der Buchmesse, die mich nachhaltig beeindruckt hat, werde ich endlich was von Willemsen lesen. Und dabei sicher ein paar Tränen vergießen …
  • Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenkrimis (Fischer)
    • Zwar werde ich auf einer der nordfriesischen Inseln leben, dennoch passt diese Reihe sicher ganz hervorragend zur Umgebung

Die mit ✔ gekennzeichneten Bücher habe ich bereits, 2 sind sogar schon in meine Zwischenstation in Hamburg gezogen. Die anderen werde ich mir wahrscheinlich auf der Insel zulegen – sonst ist das Gepäck schon voll 😀

Und dann gibt es da noch die Bücher, für die ich das 1. Mal seit der Grundschule eine Bibliothek aufsuchen werden. Ich habe so richtig Lust, mal wieder die Horror-Storys von R. L. Stine (Loewe) zu lesen. In so einem einsamen Bauwagen, bei tosendem Seegang, gruselt es sich bestimmt richtig gut! 🙂

Habt ihr noch Vorschläge, welche Bücher ich während meines Aufenthaltes fernab der Zivilisation unbedingt lesen muss?

Die Vorbereitungen

In 3 Wochen ist es so weit.

In 3 Wochen bin ich um die Zeit schon unterwegs nach Sylt.

Gerade war noch November, ich habe gerade erst meine Bewerbung geschrieben und bis zum möglichen Beginn meines siebenmonatigen Aufenthaltes in einem Bauwagen auf Sylt war es noch sooo lange hin. Und plötzlich ist es so weit. Und ich habe noch so viel zu tun!

Ich fahre 2 Mal gen Norden. Das erste Mal am 14. März. Die ersten Wochen werde ich in der großen Schutzstation wohnen, in der ich schon im Dezember bei meinem Bewerbungsbesuch untergebracht war. Ich werde an den Wattführungen teilnehmen, jede Tag eine, und so eingearbeitet. Anfang April werde ich ein 4tägiges Seminar besuchen. Und danach fahre ich wieder nach Hause und hole meine Katze nach Hause. Gemeinsam beziehen wir den Bauwagen. Ich bin sehr gespannt auf ihre Reaktion und hoffe, das alles gut geht.

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Lina ist nicht sonderlich begeistert von ihrem schicken Geschirr.

Bereits letzte Woche habe ich die ersten Sachen in meine Zwischenstation in Hamburg gebracht. Dickes Bettzeug für den Bauwagen. Erste Utensilien für die Katze. Und natürlich Bücher. (Zu den Büchern im Bauwagen kommt noch ein gesonderter Beitrag.)

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Dickes Bettzeug, Lieblingsbettwäsche in Wiesenoptik, ein Handtuch aus der Kindheit und natürlich Bücher!

Es gibt so viele Dinge, die ich bedenken muss, die ich brauche. Gleichzeitig ist der Platz in einem Bauwagen natürlich begrenzt. Ich muss Unterwäsche für einen Monat kaufen, weil ich keine Waschmaschine habe und nicht weiß, wann und wo ich zum Waschen komme. Ich brauche einen neuen Handytarif mit mehr Internet, weil ich keinen W-Lan-Anschluss habe und natürlich trotzdem Kontakt halten und bloggen und Bilder hochladen möchte. Ich muss noch einen Erste-Hilfe-Kurs machen. (Ist mir gerade eingefallen. Vielleicht sollte ich mich da mal kundig machen, wann, wo und wie 😀 ) Ich muss die Katze an ihr neues rosafarbenes (!) Geschirr gewöhnen und, o Gott!, hoffentlich traut sie sich überhaupt, den Bauwagen zu verlassen. Und ich muss mich verabschieden. Von meiner Familie. Von meinen Freunden. Von meinen Jungs.

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Am Wochenende habe ich mich von einigen Freunden verabschiedet. Sie haben mich mit einer wunderbaren Regenjacke (passt super zu meinen ebenfalls quietschgelben Gummistiefeln) und einem Sea Sheperd-Button ausgestattet.

Ich bin wahnsinnig aufgeregt. Und ich freue mich wahnsinnig auf einen Sommer auf Sylt.

In 3 Wochen geht es los. Vielleicht sollte ich langsam mal ein Bahnticket kaufen 🙂

Jenna Kosig – Totenfreund

Das Angebot von Jenna Kosig, ihren Roman zu rezensieren, kam sehr passend: Ich hatte mal wieder ziemliche Lust auf einen Thriller, aber natürlich keinen ungelesenen mehr im Regal. Ich muss gestehen, dass ich bei Selfpublishern – leider – ziemlich skeptisch bin, doch Totenfreund hat mich positiv überrascht.

Vier Jahre, nachdem der Polizist David Westers seine Frau an einen Serienmörder verloren hat, wird auf einem Bauernhof eine Leiche gefunden. Ihr ganzer Körper ist mit Schnitten überzogen, in ihrer Hand hält sie einen Käfer. Ein ungutes Gefühl beschleicht David. Spätestens nach der zweiten Leiche und dem zweiten Käfer wird ihm klar, dass es eine unheilvolle Verbindung zu ihm gibt.

Totenfreund konnte mich, bis auf kleine Schwächen, inhaltlich wie sprachlich überzeugen. Jenna Kosig ist mit ihrem Roman nicht nur ein spannender Thriller gelungen, auch David Westers ist ein sehr sympathischer, authentischer Protagonist, von dem ich gern mehr lesen würde. Was erst mal klischeehaft klingt – Polizist verliert Frau an Mörder, muss sich von nun an um die kleine Tochter kümmern –, setzt die Autorin wirklich gut und überzeugend um.

Nach dem Verlust seiner Frau muss der Polizist seinen nervenaufreibenden und zeitintensiven Beruf und seine Rolle als Vater einer vierjährigen Tochter Mia unter einen Hut bekommen. Das gelingt ihm nicht immer, aber sowohl ich als auch Mia waren immer wieder geneigt, ihm seine kleinen Fehler zu verzeihen. Ihr Verhältnis und ihre Vater-Tochter-Insider werden sehr liebevoll beschrieben. Insgesamt sind die Emotionen in diesem Roman glaubhaft und anschaulich dargestellt.

Auf den ersten Seiten wirkt der Ausdruck an einigen Stellen etwas unbeholfen, doch die Autorin scheint schnell ihren eigenen Stil gefunden zu haben. Sie schreibt spannend und lebhaft, besonders die Traumsequenzen Davids verleihen dem Roman etwas Beunruhigendes. Manchmal hätte ich mir ein etwas ausschweifenderes Erzählen gewünscht.

Obwohl ich relativ schnell einen Verdacht hinsichtlich der Auflösung hatte, blieb die Spannung konstant hoch. Allerdings gab es 2 Szenen der Polizeiarbeit, die ich für unglaubwürdig halte.

Trotz des guten Ausdruckes gibt es auch einige sprachliche Schwächen, ein (weiteres) Korrektorat hätte dem Roman gutgetan. Außerdem gab es offenbar einen Fehler bei der Formatierung, denn fehlerhafte/überflüssige Trennstriche durchziehen den gesamten Text. Das hat leider den Textfluss immer wieder gestört.

Da mich Totenfreund trotz kleinerer inhaltlicher und sprachlicher Schwächen wirklich begeistert hat, vergebe ich 3 Sonnen und eine klare Leseempfehlung ☼☼☼

Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 🙂

Ihr findet Totenfreund übrigens auch bei Twitter.

Totenfreund

Liebe Jenna, vielen Dank für diese persönliche Buchpost 🙂

Format: Taschenbuch, 226 Seiten

Verlag: Selbstverlag

Erscheinungstermin: 13. Dezember 2015

Preis: 8,99 €
(als eBook für 0,99 €)

Leseprobe

Rezension: Val McDermid/Doris Styron – Jane Austens Northanger Abbey

Ehrlich gesagt habe ich Jane Austens Original, Northanger Abbey, 2 Mal abgebrochen, es konnte mich einfach nicht fesseln. Vielleicht, weil es mit dem für mich überragenden Stolz und Vorurteil nicht mithalten konnte. Trotzdem war ich neugierig auf diese moderne Adaption von Val McDermid.

Catherine Morland, genannt Cat, erlebt eine behütete Kindheit im Kreise ihrer Familie. Sie wird zu Hause unterrichtet und lebt in den Romane, die sie liest. Bis ihre Nachbarn sie einladen, sie zum Book Festival nach Edinburgh zu begleiten. Hier trifft Cat auf das echte Leben, macht neue Bekanntschaften, schließt Freundschaften und verliebt sich in Henry Tilney, der sie schließlich auf das Anwesen seiner Familie, Nothanger Abbey, einlädt. Natürlich regt das alte Gemäuer Cats Fantasie an.

Statt Kutschen gibt es Sportwagen, Facebook, Twitter & SMS haben die Konversation über Briefe abgelöst, statt in Bath spielt sich das gesellschaftliche Leben in Edinburgh ab. Doch der Rahmen ist der gleiche geblieben, sogar Bälle mit traditionellen Tänzen gibt es.

Ich stehe der Adaption zwiegespalten gegenüber. Einerseits hat es mich sehr fasziniert, wie gut es der Autorin gelungen ist, selbst kleine Details – wie Henrys Kritik an dem Wörtchen „nice“ – in die heutige Zeit zu übertragen. Gleichzeitig sehe ich an diesem Zwang, der historischen Fassung treu zu bleiben, das größte Problem. Denn oftmals passt die moderne Version eben leider nicht in das historische Korsett, wodurch die Geschichte gekünstelt und unglaubhaft wirkt. Die Geschichte wirkt nicht, als hätte man sie in die Moderne versetzt, sondern als hätte man moderne Elemente in der historischen Version platziert. Und diese Elementen – hauptsächlich soziale Netzwerke und moderne Romane wie Twilight und Harry Potter – werden immer wieder betont.

Manchmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, als gäbe es zwei Geschichten: die historische und die moderne. Beide wären dann übereinandergelegt worden, so dass abwechselnd die eine und die andere durchschimmern – doch diese Teile passten nicht (immer) zusammen. So kommunizieren die Protagonisten einerseits über soziale Netzwerke, bedienen sich aber gleichzeitig einer altertümlichen Sprache. Sie fahren protzige Sportwagen, haben aber Bedienstete, verloben sich nach 3 Tagen und die Frauen sind naive Blödchen. Was bei Jane Austen feinsinnige Gesellschaftskritik war, wirkt hier deplatziert bis lächerlich.

Schade eigentlich, denn die Idee ist gut, handwerklich ist auch die Umsetzung wirklich gelungen und auch die Figuren sind – so weit ich das beurteilen kann – gut getroffen.

Ich vergebe 3 Sonnen für die Idee, die Umsetzung und meine Lust, es ein 3. Mal mit dem Original zu versuchen ☼☼☼

Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars 🙂

Northanger Abbey

 

Format: Hardcover, 304 Seiten

Verlag: HarperCollins

Erscheinungstermin: 11. Januar 2016

Preis: 19,90 €

Bundesfreiwilligendienst an der Küste

Wenn mir Freunde von ihrer Reise durch Südamerika, ihrem Work & Travel in Australien oder ihrem Auslandssemester in Brüssel erzählten, war ich immer ein bisschen neidisch. Nach dem Abi wollte ich als Au Pair nach Paris gehen, daraus ist nichts geworden, genau so wenig wie aus dem geplanten Auslandssemester in Antwerpen. Und außerdem hatte ich bei aller Faszination für die Ferne auch immer ein bisschen Angst. Angst habe ich immer noch, aber jetzt, nach 8,5 Jahren Uni, zieht es mich doch in die Fremde – ich gehe nach Sylt. Für 7 Monate. Von März bis Oktober werde ich als Bundesfreiwillige auf der Insel arbeiten und wohnen. Ich freue mich darauf. Und habe ein bisschen Angst.

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Auf geht’s! Früh um 6 ging es los, 9 Stunden war ich unterwegs.

Im November postete die Seite Weltnaturerbe Wattenmeer einen Artikel des Hamburger Abendblattes: Die Schutzstationen Wattenmeer suchen noch dringend Menschen für den halbjährigen Bundesfreiwilligendienst. Ich war mit meiner derzeitigen Situation unzufrieden, nach 8,5 Jahren Uni und der gerade bewältigten Masterarbeit war selbst bei mir die Luft raus, kurz, dieses Gesuch kam genau im richtigen Moment.

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Sonnenuntergang auf Sylt.

Also bewarb ich mich. Doch wie bewirbt man sich nach knapp 9 Jahren rein akademischer und vor allem theoretischer Beschäftigung auf so einen Job? Masterarbeit? Praktikumserfahrung im Verlag? Dinge, die sonst so wichtig sind in jeder Bewerbung, waren auf einmal unbedeutend. Sie luden mich trotzdem ein und Mitte Dezember fuhr ich nach Sylt. Ich war noch nie im Winter am Meer. Es war sehr schön. Und sehr kalt.

Sylt

Genau da werde ich wohnen.

2 Tage und 2 Nächte verbrachte ich mit den derzeitigen Bufdis in der Schutzstation in Hörnum – vielen Dank für diese tollen Tage! Den ersten Abend (es war eigentlich noch Nachmittag) verbrachte ich am Strand und bewunderte den Sonnenuntergang über dem Meer. Am nächsten Morgen schauten wir uns die Einsatzorte an. Ich hatte mich auf einen von 2 Bauwagenplätzen beworben. Am Abend veranstalteten alle Schutzstationen eine Weihnachtsfeier, jede Station trug etwas zur Speisefolge bei und ich lernte auch die anderen Bufdis kennen.

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Neben Muscheln und Seesternen findet man leider auch viel Müll am Strand.

Nach meinem Bewerbungsgespräch am nächsten Morgen nahm ich noch an einer Kontrolle des Strandes auf Müll und Strandgut teil, ich sah einige Robben und dann fuhr ich auch schon wieder nach Hause. Und dann hieß es warten.

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Gestern kam endlich die Zusage. Ab dem 15. März werde ich für 7 Monate einen Bauwagen direkt am Deich bewohnen. Ich werde Wattwanderungen anführen und Vögel zählen und die Schafe auf meinem Deich im Auge behalten. Ich kann es kaum erwarten. Und ein bisschen Angst habe ich auch. Aber das ist okay.

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In so einem Bauwagen werde ich wohnen.

Ich glaube, das ist die perfekte Gelegenheit, endlich mal „In den Wäldern Sibiriens“ von Sylvain Tesson zu lesen 🙂