„Was denkt ihr denn, was ich den ganzen Tag so mache?“ – das frage ich die Teilnehmer meiner Führungen immer. Und dann ist es erst mal ruhig.
Vielleicht habt ihr euch auch schon gefragt, was ich hier eigentlich mache. Im Bauwagen. Am Meer.
Kurz gesagt: Ich bin Vogelwart. Da das allerdings nicht sehr aussagekräftig ist, will ich euch heute erzählen, was so alles zu meinen Aufgaben gehört. Wir haben hier 3 große Aufgabenbereiche: Öffentlichkeitsarbeit & Umweltbildung, hilfswissenschaftliche Arbeiten und Gebietsbetreuung.

Öffentlichkeitsarbeit & Umweltbildung

Das ist unser größter Aufgabenbereich unter dem Motto „Nur was man kennt, kann man auch schützen“. Bei mir kann man Wattwanderungen und Vogelführungen oder eine Kombination aus beidem besuchen. Dann gehe ich mit den Teilnehmern ins Watt oder über den Deich/in die Felder und zeige und erkläre die typischen Arten und ihre Lebensweisen. Ich habe hauptsächlich Mischwatt mit ein paar sandigen und ein paar schlickigen Stellen, es gibt viel Seegras, man kann hier Miesmuscheln, pazifische Felsenaustern und Strandkrabben finden, mein Liebling ist die Pantoffelschnecke. Bei den Vogelführungen gehe ich auf die Bedeutung des Wattenmeers als Brut- und Rastgebiet ein und erkläre am Beispiel des Knutts, warum man Rastvogelschutzgebiete nicht betreten darf: Der kleine braune Vogel verdoppelt während seiner Rast hier sein Gewicht von 100 auf 200 g, wird er dabei gestört, nimmt er nicht genug zu und stirbt im Flug auf seiner Weiterreise.

Hilfswissenschaftliche Arbeiten

Dazu zählen vor allem die Vogelzählungen. Diese finden alle 2 Wochen, bei Springtide, statt: Je höher das Wasser, desto näher sitzen die Vögel an Land beisammen und desto besser kann man sie zählen.
Von April bis Juni haben wir außerdem die Brutvogelkartierung durchgeführt. Dazu sind wir alle 5 Tage durch unser Gebiet gelaufen und haben geschaut, welche Vögel balzen und dann auffällig und stetig rumsitzen – und eventuell brüten. Leider ist der Bruterfolg auf Sylt seit dem Bau des Hindenburgdamms eher gering, denn mit der Landverbindung kam auch der Fuchs.

Gebietsbetreuung

Regelmäßig gehen wir durch unser Gebiet und schauen, ob alles in Ordnung ist. Totvögel, verschleppte/kaputte Eier und tieffliegende Flugzeuge, die schlimmstenfalls Vögel aufscheuchen, gehören zu den Dingen, die wir an die Hauptamtlichen weitergeben.
Bei mir kommt noch die Betreuung der Schafe auf „meinem“ Deichabschnitt hinzu. Tote oder verletzte Schafe (Hunde gehören an die Leine!) melde ich dem Schäfer, auf dem Rücken liegende Schafe drehe ich um, weil es sonst die Organe zerdrückt und das Schaf stirbt. Das musste ich bisher ein Mal machen.

Küstenschutz

Der Küstenschutz gehört eigentlich nicht zu meinen Aufgaben, im Gegenteil wollen Küsten- und Naturschutz oft sogar unterschiedliche Dinge.
Da ich aber auf einem Bauhof des Küstenschutz‘ stehe, habe ich viel mit den Mitarbeitern zu tun.
Diese Woche war ich beim Lahnungsbau mit der Ramme dabei, durfte auf dem Trekker beim Rasenmähen auf dem Deich mitfahren und mit dem Boot zur Schute (hier liegen die Materialien für den Lahnungsbau) schippern. Toll war’s!

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