Gestern Abend habe ich auf Twitter bedauert, dass ich momentan nicht lesen könne, weil ich Lust auf einen Thriller habe, aber leider alle im Bauwagen schon gelesen sind.

Einer meiner Follower, @MarioDreizehn, schrieb mir daraufhin diese wunderbare Kurzgeschichte:

Die Sonne war untergegangen und die Dünen lagen endlich blau im Dämmerlicht, nun war es an der Zeit. Zeit, sich auf den Weg zu machen, Zeit, die bereitgelegten Werkzeuge und Seile im Rucksack zu verstauen und die Sturmhaube aufzusetzen. Vorsicht war trotz der fortgeschrittenen Stunde noch immer geboten, natürlich gab es immer das ein oder andere Touristenpaar, das auf romantischen Abendspaziergängen die Gegend durchwanderte, aber die hatten meist nur Augen füreinander. Vorsichtig und behutsam musste er sich dem Bauwagen nähern, dann war das eine sichere Sache und die Überraschung auf seiner Seite.
So machte er sich auf den, weil er klug war natürlich in Sandfarben, nicht wie ein Amateur in Schwarz, so dunkel, dass das etwas nützte, würde es hier selbst bei Neumond kaum.
Er kam ihrer Behausung immer näher, ohne dass ihn ein Mensch, turtelndes Pärchen oder nicht, gestört hätte. Noch eine Düne, eine Windung, dann wäre es geschafft. –
Sie lag unterdessen nichtsahnend in ihrem Bett, den Blick aufs Smartphone gerichtet und vertieft in ihren Microbloggerdienst. Die Katze lag gemütlich gegen sie gelehnt und schnurrte, während sie von ihr selbstvergessen gestreichelt wurde.
Doch plötzlich schreckte die Katze hoch und sprang zum Fenster. Sie blickte verwirrt auf und fragte: „Was ist denn los, Lina?“. Langsam löste sie sich von der Matratze und blickte mit ihrer Katze in die Dunkelheit, konnte aber nichts entdecken. –
Verdammt, warum war er nicht vorsichtig genug gewesen und warum war ausgerechnet hier soeben ein Fasan vorbeimarschiert? Natürlich hatte sich das Mistvieh erschreckt und war aufsehenerregend geflohen. Jetzt rührte sich etwas im Bauwagen, aber er blieb ganz still, sie würde ihn niemals entdecken. –
Zusammen mit ihrer Katze starrte sie in die Dunkelheit: „Ach, du Spinnerkatze“, sagte sie schließlich, als sie auch nach noch so viel Starren nichts entdecken konnte, und legte sich zurück in ihr Bett. –
Als er sich sicher war, dass sie ihn nicht sehen würde, ging er an sein düsteres Werk, das bis zum Morgen dauern würde. –
Schließlich erwachte sie und fand ihren Bauwagen mit einer provisorischen Terrasse versehen. Er hatte die ganze Nacht still daran gearbeitet.

Vielen Dank für diese Geschichte! Ich fand sie ja umso toller, da ich beim Lesen tatsächlich im Bett lag. Mit meinem Handy in der Hand und der schnurrenden Katze neben mir.

Wie fandet ihr die Geschichte? Wollt ihr mir vielleicht auch eine schreiben? Ich würde mich sehr darüber freuen! 🙂

Eine Terrasse habe ich heute Morgen übrigens leider nicht vorgefunden …

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