Da gestern Seenebel herrschte, musste die benachbarte Station in Rantum, die eine Jugendherberge betreut, die Wattwanderungen absagen und auf heute verschieben. Da sie heute für 7 parallel stattfindende Wattwanderungen zu wenig Leute sind, baten sie mich einzuspringen. Also schwang ich mich um 9 auf mein Rad und fuhr die 12 km nach Rantum. Weil ich hier keine Waschmaschine habe, nahm ich meine Wäsche gleich mit. Man bekommt hier ein anderes Gefühl für Entfernungen. Und für Pragmatismus.

Um 10.15 ging ich mit einer 4. Klasse und ihren 2 Lehrerinnen ins Watt. Das kannte ich schon vom letzten Mal – vor 2 Wochen musste ich schon mal aushelfen. Neben den üblichen Störenfrieden gibt es zum Glück auch sehr begeisterte und interessierte Kinder. Am begeistertsten sind alle, wenn es am Ende ins Schlickloch geht. Da sinkt man bis zum Knie ein, manche Kinder fallen hin, alle sehen aus wie kleine Schweinchen und einer musste heute seine Gummistiefel zurücklassen, weil er zu tief feststeckte. Schwund ist immer.

Danach ging es mit einer Freundin die 12 km zurück zu mir. Sie ist für die Vögel im Rantumbecken zuständig, ich zeigte ihr, was mejne Felder so zu bieten haben. Endlich sah ich auch den Kuckuck, der hier seit etwa 2 Wochen ruft. Unterwegs trafen wir Hobby-Ornithologen, mit denen ich bekannt bin, seit wir zusammen Mornellregenpfeifer angeguckt haben.

Nachmittags stand wieder Brutvogelkartierung an. 17.58 Uhr war Hochwasser, 1,5 Stunden vorher und nachher kann man die Hochwasserbrüter kartieren. Da das Wetter nicht so gut war – seit dem Mittah regnete es und die Sicht war entsprechend getrübt – hielten sich die Vögel leider etwas bedeckt. Als ich an meinem vorletzten Aussichtspunkt gerade Stativ und Spektiv zusammengepackt hatte, wälzte sich neben mir ein dickbewolltes Schaf auf dem Deich – und kam nicht mehr hoch. Ein Lamm kam neugierig näher und wurde mit den Hufen weggekickt. Da das Schaf am Hang lag, hatte ich die Hoffnung, dass es sich selbst wieder in die richtige Position rollt. Aber nein. Auf dem Rücken liegende Schafe schaffen es normalerweise nicht, sich wieder aufzurichten, das gehört mit zu meinen Aufgaben. Also legte ich ab und näherte mich den wild rudernden Hufen. Beim 3. Anlauf schafften wir es, das Schaf stand. Es blökte empört, die ganze Herde blökte empört, alle schauten mich böse an und einige verfolgten mich sogar. Ich nahm Reißaus und guckte wieder Vögel. Das ist ungefährlicher.

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