Vom 04. bis zum 08. April fand das Einführungsseminar für die HalbjahresBFDler auf Amrum statt. Hier lernten wir alles, was wir die nächsten 6 Monate für die Arbeit wissen müssen, und noch ein kleines bisschen mehr. Untergebracht waren wir im Schullandheim Ban Horn – es fühlte sich an wie eine Klassenfahrt. So war das Seminar dann auch eine gute Möglichkeit, die Freiwilligen der anderen Stationen sowie einige Hauptamtlichen und ihre Arbeit kennenzulernen.
Am Montag trafen wir uns vormittags alle im Nationalparkhaus in Husum. Hier gab es erste kurze grundlegende Vorträge z.B. über Pressearbeit und Schutzgebietsbetreuung, außerdem erhielten wir unsere T-Shirts. Danach ging es mit der Fähre nach Amrum und zu Fuß ins Schullandheim. Unterwegs erwischte uns ein richtig fieser Regen, was für ein Start. Das Wetter blieb leider durchwachsen, aber das Programm war eh so voll, dass kaum Zeit blieb, um mal an den Strand zu gehen oder die Insel zu erkunden.

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Am 1. Abend spendierte ein Bäcker aus dem Ort uns Friesentorte

Nach dem Abendessen machten wir noch eine Exkursion ins Watt und beschlossen den Abend mit einer Präsentation über Würmer. Ja, über Würmer. Denn im Watt tummeln sich viel mehr Würmer als der allseits bekannte Wattwurm.
Nach dem Frühstück ging es am nächsten Morgen mit Spielen weiter. Wir spielten Schweinswal und Hering. Mit Augenklappen und Rufen, um zu simulieren, wie ein Schweinswal seine Beute findet. Da er in der trüben Nordsee nichts sieht, stößt er Klickgeräusche aus, die von Gegenständen und Lebewesen zurückgeworfen werden, wodurch er sich ein räumliches Bild seiner Umgebung schaffen kann.
Weiter ging es mit Kompass-Navigation. Bisher war ich froh, wenn ich ablesen konnte, wo Norden ist. Jetzt kann ich – zumindest theoretisch – auch meinen Standpunkt angeben. Falls ich im Watt mal von Nebel überrascht werde, was hoffentlich nie passiert.
Anschließend besuchten wir das Naturzentrum Norddorf, wo wir übten, Stationen in Ausstellungen (interessant) zu erklären. Unsere Gruppe stellte die Big Five des Wattenmeeres vor: Seehund, Kegelrobbe, Seeadler, Schweinswal und Stör. Letzterer kommt in der Nordsee wegen Überfischung nicht mehr vor.
Am Nachmittag begann der für mich wichtigste Teil. Von Mitte April bis Mitte Juni kartieren wir die Brutvögel in unseren Gebieten. Das heißt, wir ziehen mit Karten und Spektiv durch die Gegend und notieren, wo wie viele Vögel brüten. Obwohl der Bruterfolg auf Sylt wegen des Fuchses sehr gering ist, versuchen es immer wieder mal Brutpärchen – allerdings immer weniger. Die anderen sind nach Amrum oder Föhr abgewandert, wo es keinen Fuchs und somit höhere Chancen auf Bruterfolg gibt. Wir hörten einen Vortrag über die Methoden und einen über die Auswertung. Die Ergebnisse der letzten Jahre könnt ihr hier sehen.
Am Mittwochvormittag probten wir unser neuerworbenes Wissen bei einer Kartierübung entlang des Deiches. Ein bisschen graut mir immer noch vor der Kartierung, ob ich alle Vögel erkenne, ob ich darunter alle Brutpaare erkenne, was, wenn meine Ergebnisse total falsch sind?, aber trotzdem konnte mich das Seminar und vor allem die praktische Anwendung beruhigen.
Am Nachmittag ging es um den Nationalpark und dessen Nationalparkgesetz (oder besser: die Ausnahmen und Sonderregelungen dieses Gesetzes) und um die Landschaftsgeschichte des Wattenmeeres. Wie und wann ist es entstanden und was ist seitdem passiert. Welche Inseln haben sich verlagert, welche sind entstanden und welche sind untergegangen. Zur Vorbereitung auf den Vortrag spielten wir Scharade – ich musste eine Hallig darstellen und scheiterte grandios.
Der Donnerstag startete wieder mit Spielen, danach wurde es ernst. Nach Vortrag und Praxisvorführung sind wir nun formal berechtigt, verletzte Wildvögel zu töten, wenn es die Situation erfordert. Verpflichtet dazu sind wir allerdings nicht. Glücklicherweise, denn selbst im Notfall wüsste ich nicht, ob ich das könnte.
Der Nachmittag war erfreulicher. Nach einer Einführung in den BeachExplorer machten wir eine Strandwanderung. Der BeachExplorer ermöglicht die Einspeisung und Bestimmung von Dingen, Pflanzen und Lebewesen, die man an/in der Nordsee finden kann. Endlich kam auch die Sonne heraus, so war es gar nicht sooo schlimm, dass ich bis zu den Knien im Wasser stand, weil ich ohne Gummistiefel losgezogen war.

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Der Abend endete mit einem Vortrag über Fischerei und die damit einhergehenden Veränderungen der Fischbestände.
Und am Freitag ging es dann auch schon wieder zurück. Unser Terminplan war so vollgestopft, dass wir einige Veranstaltungen ausfallen lassen mussten. Trotzdem begannen unsere Tage um 8 Uhr mit dem Frühstück und endeten die Vorträge gegen 22 Uhr. Es war anstrengend, jeden Tag stürmten wir regelrecht die Küche, aber es hat auch viel Spaß gemacht und ich habe diese 4 Tage für meine kommende Arbeit hier vor Ort als sehr hilfreich empfunden.

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Tschüs, Amrum

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