Vor dem Aufenthalt habe ich beschlossen, während der sieben Monate Tagebuch zu führen. Bisher fand ich das immer ziemlich albern, nicht nur, meine Gedanken aufzuschreiben, sondern vor allem, sie im Nachhinein zu lesen. Doch hier stellt es sich als schöne und auch nützliche Tätigkeit heraus. So habe ich, wenn das Ganze vorbei ist, was sicher schneller passieren wird, als mir lieb ist, einen schönen Rückblick und viele tolle Erinnerungen. Außerdem hilft es mir, meine Gedanken zu sortieren und trägt sicher – neben der Seeluft und der Arbeit im freien – dazu bei, dass ich besser einschlafen kann. Darüber hinaus ist es auch fürs Bloggen sehr hilfreich, denn her passiert einfach so viel, dass ich ohne diese Gedankenstütze echt aufgeschmissen wäre.

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Das passiert, wenn man bei Hochwasser am Strand spazieren geht: Man bekommt nasse Füße.

 

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Der Blick vom Schiff auf den Hörnumer Leuchtturm

Die dritte Woche ist nun schon zu Hälfte vorbei und in den letzten 1,5 Wochen ist sooo viel passiert! Neue Veranstaltungen kamen kaum mehr dazu, aber menschlich war es einfach eine superschöne Zeit. Und wegen der vielen Partys auch ein bisschen anstrengend 😀

Los ging es letzten Donnerstag. Da der Winter vorbei ist und die Winterprojekte (weitestgehend) fertiggestellt sind, gab es eine kleine Feier mit Lagerfeuer. Am Freitag haben zwei der Bufdis in ihren Geburtstag reingefeiert, weswegen wir hier volles Haus hatten. Gäste der Geburtstagskinder und Leute von anderen Stationen (es gibt fünf auf Sylt), alle kamen in der Bretterbude zusammen und verwandelten die Schutzstation in eine Disco.

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Meine zukünftige Badestelle sowie der Zugang zur Wattwanderung

Und über Ostern sollte es nicht ruhiger werden. Viele Ehemalige des letzten Jahrgangs kamen zu Besuch. Da es öfter solche Ehemaligen-Treffen gibt, dachten wir Neuen uns nichts dabei, doch so harmlos war der Besuch dann doch nicht. Unsere Taufe stand bevor. Ich möchte da jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber der Alkohol floss in Strömen und am Ende landeten wir bei 5°C in der Nordsee. Wir bekamen unsere eigenen Kutten überreicht und gehören jetzt zu den Schutten – das sind die (ehemaligen) Mitarbeiter der Schutzstation. Trotz des Alkohols und der albernen Spiele war es tatsächlich ein bewegendes Ereignis. Für die nächsten 6 Monate darf ich mich jetzt Nationalpark-Betreuer nennen 🙂

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Natürlich habe ich auch seriöse Dinge getan: Ich habe an Wattwanderungen, einer Strandwanderung und der Aquariumtierfütterung teilgenommen, war auf dem Schiff, habe zwei Mal die Südspitze umrundet und Bernstein geschliffen – und dabei habe ich richtig viel gelernt. Außerdem hat einer der Ehemaligen uns die Bauwagen und die Umgebung gezeigt. Er hat uns erklärt wo die Treffpunkte für die Watt- und die ornithologischen Führungen sind und wo die Strecken entlangführen. Das hat mich sehr beruhigt, denn bereits am Freitag ziehe ich in den Bauwagen! Morgen fahre ich zum Lüften und Putzen hin und dann kann es losgehen.

Anfangs hat mir ein bisschen vor den ersten 3 Wochen in der Bretterbude, also auf engstem Raum mit vielen anderen Menschen, gegraut. Da mir der Abschied von Leipzig, Lina und meinen Jungs recht schwer gefallen ist, wollte ich mich einfach nur verkriechen. Gleichzeitig hatte ich die Hoffnung, dass mir die Menschen hier keine Gelegenheit geben würden, mich zu sehr zurückzuziehen und mich zu sehr in Selbstmitleid zu suhlen – und genau so ist es gekommen. Nach den ersten zwei Tagen, die ich etwas Ruhe für mich brauchte, blieb ich abends immer länger in der gemütlichen Küche. Wir saßen zusammen,hörten Musik, redeten, aßen gemeinsam und spielten. In der Bretterbude spielt es keine Rolle, woher du kommst, wie alt du bist oder was du vorher gemacht hast. Jeder wird hier unglaublich herzlich willkommen geheißen und aufgenommen. Trotz der Vorfreude auf den Bauwagen werde ich diese Zeit und die Menschen hier vermissen und bin sehr dankbar, dass ich hier sein durfte.

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Bernstein – Das Gold des Meeres

 

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