Ich bin da. Ich bin auf Sylt.

Heute vor einer Woche bin ich angekommen. Die ersten 2 bis 3 Wochen wohne ich allerdings noch nicht im Bauwagen, sondern in der Schutzstation in Hörnum, denn hier werde ich eingearbeitet. Das heißt, ich begleite die aktuellen BFDler und FÖJler bei ihren Veranstaltungen und lerne für meine eigenen.

Normalerweise begleitet man die anderen täglich auf Wattführungen, im Winter finden sie allerdings nur ca. 2 Mal die Woche statt, weswegen ich auch viele andere Veranstaltungen begleite, um genug Wissen anzuhäufen, das ich dann bald selbst weitergeben kann. Meine anfängliche Angst davor, selbst Wattwanderungen durchzuführen, hat sich dadurch etwas gelegt. Ich würde jetzt aus dem Stand heraus keine machen wollen, aber mittlerweile traue ich sie mir zumindest zu.

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Nachdem ich am Montag sehr herzlich willkommen geheißen wurde, ging es am Dienstag direkt los: Die erste Wattwanderung stand an. Nach einem kurzen Spaziergang über die Düne beginnt die eigentliche Führung. Natürlich erfährt man Interessantes über das Watt und seine Bewohner, man bekommt aber auch viele Informationen über die Dünen (Dünenschutz ist Inselschutz!), über die hiesigen Brut- und Rastvögel und über Salzwiesen.

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Eine Wattkartierung ist eine ganz schön schmutzige Angelegenheit

 

Am Mittwoch führten wir eine Wattkartierung durch. Wir bildeten 3 Gruppen und arbeiteten dann jeweils 40 Stationen ab, die ca. 50m auseinander lagen. Mit Pflöcken steckten wir eine 1m² große Fläche ab und untersuchten diese dann anhand vorgegebener Punkte: Wie hoch ist die Oxidationsschicht? Wie hoch sind der Algen- und Seegrasanteil? Wie viele Muscheln, Schnecken, Würmer gibt es? Wie viel der Fläche ist mit Wasser bedeckt? Wir haben ein kleines und ein großes Rohr in den Boden gesteckt, um auch die tieferen Schichten nach Wattschnecken zu durchsuchen. Wattschnecken sind nur ca. 1mm groß, was die Zählung erschwerte. Diese Kartierung wird ein Mal im Frühjahr und ein Mal im Herbst durchgeführt und ist die dreckigste Arbeit, die es zu verrichten gilt. Nicht nur, weil sie irgendwann in eine Schlickschlacht ausartet. Obwohl ich nur der Schreiber war, war ich am Ende ganz schön knülle. Immerhin sind wir 4 Stunden durchs Watt gestapft.

Collage Vögel

Solche Vogelschwärme muss ich bald zählen. Oje.

Am Donnerstag habe ich den derzeitigen Vogelverantwortlichen auf eine Gänsezählung in meinem künftigen Gebiet begleitet. Zu beiden Seiten des Deiches saßen die verschiedenen Gänse sowohl im Wasser als auch auf den Wiesen. Bewaffnet mit Fernglas, Spektiv, Zähluhr und Vogelbestimmungsbuch ging es los. Wir sahen Graugänse, Ringelgänse, Brandgänse und Blessgänse und auch einige andere Vögel, die wir aber nicht zählen mussten. Während die Wattwanderung natürlich bei Ebbe stattfindet, wird die Vogelzählung bei Flut durchgeführt, weil die Vögel dann näher beisammen sitzen und besser zu zählen sind. Zwischendurch machten wir eine Rast an meinem Bauwagen – leider hatten wir keinen Schlüssel dabei – und ich plante schon mal, wo ich am besten Lina anpflocken kann. Mitte April hole ich mein Baby nach und dann muss alles für sie vorbereitet sein. Als wir einmal in der Gegend waren, besuchten wir auch gleich noch das Morsumer Kliff, unterwegs sahen wir Lämmchen und durchquerten sogar ein kleines Wäldchen. Ja, doch, ich werde es schön haben 🙂

Collage Zählung

Da morgen die Ausstellung in der Arche wiedereröffent wird, haben wir am Freitag (Achtung!) klar Schiff in der Arche gemacht (ha ha!). Die Ausstellung befindet sich n einem alten Pfarrhaus, in dem tatsächlich auch noch Gottesdienste stattfinden, weswegen das Thema in die Ausstellung integriert wird: Mitten im Ausstellungsraum befindet sich ein Teil eines Schiffes mit einer Dokumentation ausgestorbener Arten. Die Ausstellung ist zweigeteilt: Im unteren Bereich befindet sich der Besucher unter Wasser, hier gibt es Aquarien und Informationen zu den Wasser- bzw. Meeresbodenbewohnern. Im oberen Teil befindet man sich über Wasser, hier findet man Wissenswertes über Vögel und Robben, aber auch über die Meeresverschmutzung und Überfischung. Für Kinder gibt es eine Rallye zum Selbsterkunden der Ausstellung.

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In diesem Heft stehen meine Termine von April bis Oktober. An meinem Geburtstag habe ich bisher frei 🙂

Am Samstag stand keine Veranstaltung an, so konnte ich mit der anderen BFDlerin, die in einem zweiten Bauwagen wohnen wird, nach Westerland fahren. Sie zeigte mir ein bisschen die Stadt, wir holten Flyer für unsere Veranstaltungen ab und ließen Plakate sowie Warnschilder für Brut- und Rastgebiete ausdrucken und laminieren. Eine unserer ersten Aufgaben wird es sein, 2 Sandinseln, die als Brut- und Rastfläche genutzt werden, zu befestigen, damit die Vögel nicht von Touristen gestört werden. Dazu haben wir bereits eine Erkundungstour mit einer Nationalpark-Rangerin gemacht.20160315_140542

 

Gestern hatte ich einen vergleichsweise vollen Terminplan. Um 12 nahm ich an einer Führung durch die Arche teil. In den Aquarien sitzen viele Tiere die ich bei meinen Wattwanderungen kennen und erklären muss. Um 14 Uhr fand eine Fahrt zu den Seehundsbänken mit Seetierfang statt, auch hier wurden wieder viele Meeresbewohner erklärt – langsam lerne ich tatsächlich dazu. Und um 16 Uhr war wieder eine Wattwanderung.

Collage Seetierfang

Durch die vielen verschiedenen Veranstaltungen, die sich aber alle um das gleiche Thema und die gleichen Tiere drehen, fühle ich mich langsam aber sicher gut vorbereitet. Ein gutes Gefühl. Und so sehr ich die gemeinsamen Ausflüge und das gemütliche Zusammensein abends in der Küche genieße, freue ich mich doch sehr darauf, bald in den Bauwagen zu ziehen. Auch wenn mir ein bisschen vor der Kälte graut. Denn obwohl hier oft die Sonne scheint und ich mir sogar schon 2 Mal die Nase verbrannt habe, ist es doch noch ganz schön kalt und natürlich sehr windig.

Bestimmt habe ich irgendwas vergessen, aber ich hoffe, ich konnte euch einen guten Einblick in meine erste Woche auf Sylt vermitteln.

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