Ehrlich gesagt habe ich Jane Austens Original, Northanger Abbey, 2 Mal abgebrochen, es konnte mich einfach nicht fesseln. Vielleicht, weil es mit dem für mich überragenden Stolz und Vorurteil nicht mithalten konnte. Trotzdem war ich neugierig auf diese moderne Adaption von Val McDermid.

Catherine Morland, genannt Cat, erlebt eine behütete Kindheit im Kreise ihrer Familie. Sie wird zu Hause unterrichtet und lebt in den Romane, die sie liest. Bis ihre Nachbarn sie einladen, sie zum Book Festival nach Edinburgh zu begleiten. Hier trifft Cat auf das echte Leben, macht neue Bekanntschaften, schließt Freundschaften und verliebt sich in Henry Tilney, der sie schließlich auf das Anwesen seiner Familie, Nothanger Abbey, einlädt. Natürlich regt das alte Gemäuer Cats Fantasie an.

Statt Kutschen gibt es Sportwagen, Facebook, Twitter & SMS haben die Konversation über Briefe abgelöst, statt in Bath spielt sich das gesellschaftliche Leben in Edinburgh ab. Doch der Rahmen ist der gleiche geblieben, sogar Bälle mit traditionellen Tänzen gibt es.

Ich stehe der Adaption zwiegespalten gegenüber. Einerseits hat es mich sehr fasziniert, wie gut es der Autorin gelungen ist, selbst kleine Details – wie Henrys Kritik an dem Wörtchen „nice“ – in die heutige Zeit zu übertragen. Gleichzeitig sehe ich an diesem Zwang, der historischen Fassung treu zu bleiben, das größte Problem. Denn oftmals passt die moderne Version eben leider nicht in das historische Korsett, wodurch die Geschichte gekünstelt und unglaubhaft wirkt. Die Geschichte wirkt nicht, als hätte man sie in die Moderne versetzt, sondern als hätte man moderne Elemente in der historischen Version platziert. Und diese Elementen – hauptsächlich soziale Netzwerke und moderne Romane wie Twilight und Harry Potter – werden immer wieder betont.

Manchmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, als gäbe es zwei Geschichten: die historische und die moderne. Beide wären dann übereinandergelegt worden, so dass abwechselnd die eine und die andere durchschimmern – doch diese Teile passten nicht (immer) zusammen. So kommunizieren die Protagonisten einerseits über soziale Netzwerke, bedienen sich aber gleichzeitig einer altertümlichen Sprache. Sie fahren protzige Sportwagen, haben aber Bedienstete, verloben sich nach 3 Tagen und die Frauen sind naive Blödchen. Was bei Jane Austen feinsinnige Gesellschaftskritik war, wirkt hier deplatziert bis lächerlich.

Schade eigentlich, denn die Idee ist gut, handwerklich ist auch die Umsetzung wirklich gelungen und auch die Figuren sind – so weit ich das beurteilen kann – gut getroffen.

Ich vergebe 3 Sonnen für die Idee, die Umsetzung und meine Lust, es ein 3. Mal mit dem Original zu versuchen ☼☼☼

Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars 🙂

Northanger Abbey

 

Format: Hardcover, 304 Seiten

Verlag: HarperCollins

Erscheinungstermin: 11. Januar 2016

Preis: 19,90 €

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