Wenn mir Freunde von ihrer Reise durch Südamerika, ihrem Work & Travel in Australien oder ihrem Auslandssemester in Brüssel erzählten, war ich immer ein bisschen neidisch. Nach dem Abi wollte ich als Au Pair nach Paris gehen, daraus ist nichts geworden, genau so wenig wie aus dem geplanten Auslandssemester in Antwerpen. Und außerdem hatte ich bei aller Faszination für die Ferne auch immer ein bisschen Angst. Angst habe ich immer noch, aber jetzt, nach 8,5 Jahren Uni, zieht es mich doch in die Fremde – ich gehe nach Sylt. Für 7 Monate. Von März bis Oktober werde ich als Bundesfreiwillige auf der Insel arbeiten und wohnen. Ich freue mich darauf. Und habe ein bisschen Angst.

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Auf geht’s! Früh um 6 ging es los, 9 Stunden war ich unterwegs.

Im November postete die Seite Weltnaturerbe Wattenmeer einen Artikel des Hamburger Abendblattes: Die Schutzstationen Wattenmeer suchen noch dringend Menschen für den halbjährigen Bundesfreiwilligendienst. Ich war mit meiner derzeitigen Situation unzufrieden, nach 8,5 Jahren Uni und der gerade bewältigten Masterarbeit war selbst bei mir die Luft raus, kurz, dieses Gesuch kam genau im richtigen Moment.

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Sonnenuntergang auf Sylt.

Also bewarb ich mich. Doch wie bewirbt man sich nach knapp 9 Jahren rein akademischer und vor allem theoretischer Beschäftigung auf so einen Job? Masterarbeit? Praktikumserfahrung im Verlag? Dinge, die sonst so wichtig sind in jeder Bewerbung, waren auf einmal unbedeutend. Sie luden mich trotzdem ein und Mitte Dezember fuhr ich nach Sylt. Ich war noch nie im Winter am Meer. Es war sehr schön. Und sehr kalt.

Sylt

Genau da werde ich wohnen.

2 Tage und 2 Nächte verbrachte ich mit den derzeitigen Bufdis in der Schutzstation in Hörnum – vielen Dank für diese tollen Tage! Den ersten Abend (es war eigentlich noch Nachmittag) verbrachte ich am Strand und bewunderte den Sonnenuntergang über dem Meer. Am nächsten Morgen schauten wir uns die Einsatzorte an. Ich hatte mich auf einen von 2 Bauwagenplätzen beworben. Am Abend veranstalteten alle Schutzstationen eine Weihnachtsfeier, jede Station trug etwas zur Speisefolge bei und ich lernte auch die anderen Bufdis kennen.

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Neben Muscheln und Seesternen findet man leider auch viel Müll am Strand.

Nach meinem Bewerbungsgespräch am nächsten Morgen nahm ich noch an einer Kontrolle des Strandes auf Müll und Strandgut teil, ich sah einige Robben und dann fuhr ich auch schon wieder nach Hause. Und dann hieß es warten.

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Gestern kam endlich die Zusage. Ab dem 15. März werde ich für 7 Monate einen Bauwagen direkt am Deich bewohnen. Ich werde Wattwanderungen anführen und Vögel zählen und die Schafe auf meinem Deich im Auge behalten. Ich kann es kaum erwarten. Und ein bisschen Angst habe ich auch. Aber das ist okay.

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In so einem Bauwagen werde ich wohnen.

Ich glaube, das ist die perfekte Gelegenheit, endlich mal „In den Wäldern Sibiriens“ von Sylvain Tesson zu lesen 🙂

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