Am 21.12. feierte ich ein trauriges Jubiläum: Seit einem Jahr demonstriere ich nun gegen Pegida und Legida. Da kam mir die Kurzgeschichte Als unsere Welt die Farbe verlor von Helena P. Hanrath gerade recht.

Wir befinden uns eine unbestimmte Zeit nach Pegida/Legida, die Situation ist außer Kontrolle geraten. Bei einer Bürgerversammlung hält Emma eine Rede, auf die die Menschen vor Ort nicht vorbereitet sind. Emmas Sicherheit muss militärisch geschützt werden. In ihrer Rede prangert Emma die Umstände an, die zu der gegenwärtigen Situation geführt haben. Sie nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und sagt den Menschen, was diese nicht hören wollen.

Aus Sicht von Emma wird die Zeit vor der Versammlung und dem Zusammenbruch der Gesellschaft erzählt. Nach und nach werden immer mehr Details offenbar. Die Jetztzeit, in der Menschen „Wir sind das Volk“ rufend durch die Städte ziehen, Fremde ausgrenzen, Gewalt gegen Ausländer ausüben bis hin zur Eskalation und darüber hinaus. Als das Volk sich gegen de eigenen Leute richtet, weil diese sich wehren und die Fremden beschützen. Auch Emma musste einige Verluste hinnehmen …

Ich mochte Emmas Wut, es ist meine Wut. Ich mochte Emmas Verzweiflung, es ist meine Verzweiflung. Weder erzählt Helena etwas Neues noch gibt sie Antworten, aber sie führt sehr prägnant auf, was in unserer Gesellschaft momentan schiefläuft und entwirft ein erschreckendes Zukunftsszenario. Indem sie auf relativ wenigen Seiten relativ viel sagt, öffnet sie vielleicht dem ein oder anderen doch noch die Augen.

Manches Mal war mir die Rede etwas zu plakativ, an anderer Stelle hätte ich mir etwas mehr Ausführlichkeit gewünscht. Andererseits zeichnet sich eine Kurzgeschichte natürlich durch Kürze und Andeutungen aus. So ist das Ende dann auch offen – was vielleicht umso mehr zu eigenen Gedanken anregt.

Wegen der leider recht häufigen sprachlichen Fehler vergebe ich 3 Sonnen ☼☼☼, aber eine eindeutige Leseempfehlung! Hoffen wir, dass die Zukunft anders aussieht als in dieser Geschichte.

Vom 29. bis 31.12. ist die Kurzgeschichte übrigens kostenlos erhältlich.

Liebe Helena, vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares. Ich hoffe, dass du viele Menschen damit erreichst!

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