Buchrezensionen beschäftigen sich naturgemäß vorrangig mit der Umsetzung der erzählten Geschichte. Vielleicht noch mit der Gestaltung und Ausstattung des Buches. Komischerweise aber so gut wie nie mit dem Klappentext. Dabei ist er es doch, der – neben dem Cover – am meisten zur Kaufentscheidung beiträgt.

Und wie oft war ich enttäuscht, weil der wahre Inhalt nicht der Beschreibung entsprach. Dabei liegt dies nicht mal an der Geschichte selbst, sondern an den oft unstimmigen Klappentexten, die teilweise ohne jegliche Textkenntnis geschrieben zu werden scheinen und somit falsche Erwartungen schüren.

Da Klappentexte Bücher bewerben sollen, sind sie oftmals einfach reißerisch formuliert, manchmal aber gar fehlerhaft.

Solche Klappentexte, aber auch gelungene Gegenbeispiele, möchte ich unter der Kategorie Klappentextkritik sammeln und zeigen. Spoiler werden dabei natürlich nicht zu vermeiden sein.

Da ich ich in meinen Verlagspraktika selbst schon Klappen- und Vorschautexte schreiben musste, weiß ich, wie schwer das ist, zugleich spannend zu schreiben, aber nicht zu viel zu verraten. Trotzdem ist die Enttäuschung groß, wenn die Beschreibungen mal wieder nicht zutreffen und meine Erwartungen enttäuscht werden.

Ist euch schon mal ein Klappentext untergekommen, der so gar nicht zum Buch passte und über den ihr euch so richtig aufgeregt habt?

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Anfangen möchte ich mit dem 1. Band meiner aktuellen Dystopie, Die Stadt der verschwundenen Kinder von Caragh O’Brien aus dem Verlag Heyne fliegt.

Der Klappentext lautet:

Sag mir, wo die Kinder sind

Jeden Monat müssen die ersten drei Neugeborenen an den Mauern der Stadt abgegeben werden. So lautet das uralte, unbarmherzige Gesetz. Doch was verbirgt sich dahinter? Für die junge Gaia gibt es nur einen Weg, das herauszufinden: Sie begibt sich heimlich in die verbotene Stadt …

Schon der dem Klappentext vorangestellte Satz in Anlehnung an das Lied Sag mir, wo die Blumen sind ist unsinnig, da ja jeder weiß, wo die Kinder hin sind. Im Übrigen sind sie auch nicht verschwunden, wie der deutsche Titel suggeriert, sondern leben in der angrenzenden Stadt. Den englischen Titel Birthmarked finde ich hier viel passender.

Doch nun zum eigentlichen Klappentext. Wenn man die Geschichte liest, erfährt man, dass das genannte Gesetz erst nach der Geburt Gaias eingeführt wurde. Da das Mädchen zu Beginn 16 Jahre alt ist, kann das Gesetz nicht uralt sein. Unbarmherzig ist es hingegen sehr wohl, dieses Adjektiv hätte meiner Meinung nach vollkommen ausgereicht.

Auch begibt sich Gaia nicht in die Stadt, um herauszufinden, was mit den Babys passiert. Am Anfang hinterfragt sie dieses für sie natürliche Gesetz nämlich nicht. Vielmehr …

Nun, vielleicht lest ihr das Buch ja lieber selbst und findet heraus, warum Gaia dieses Risiko auf sich nimmt 🙂


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