Den Pfad rückwärts gehen –
Studentische Tagung zu Grammatikalisierungsprozessen im Deutschen

Vergiss mein nicht“ – bei diesem Begriff zunächst an eine Blume zu denken, ist nicht unüblich. Doch ein linguistischer Blick kann sich lohnen:
Welche historische Genitivkonstruktion ist in dieser Wendung versteinert?
Wie wandelte sich die Form von einer syntaktischen Äußerung in das heute gebräuchliche Lexem?

Pragmatische Verhältnisse gerinnen – fossilieren – früher oder später zu grammatischen Formen; der ehemals aktive Sprachbildungsprozess wird in unserer heutigen Sprachgemeinschaft lediglich in seiner lexikalisierten Gestalt – Vergissmeinnicht – abgerufen. Ein Phänomen, das in Rudi Kellers „Invisible-hand“-Theorie mit der Entstehung eines sprachlichen „Trampelpfads“ verglichen wird, einem Prozess also, in dem die intendierte Sprachhandlung unintendierte Folgen hat. Solche „Trampelpfade“ werden von der Sprechergemeinschaft täglich hundertfach beschritten.
Im Rahmen einer studentischen Tagung versuchen wir, diese Pfade rückwärts zu gehen, um an den Ausgangspunkt heutiger grammatikalisierter Formen zu gelangen.

Hierzu werden neben Master-Studierenden auch Promovierende und Professor_innen ihre Ansätze und Forschungsergebnisse präsentieren. Den Initiierungsvortrag am 11.12. um 19 Uhr wird Prof. Jörg Meibauer (Johannes Gutenberg- Universität Mainz) im Rahmen der SPIGL-Vortragsreihe beisteuern (im GWZ, Beethovenstraße 15, Raum 1.4.16).

Programm:

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11.12.2014
19.00 Uhr Jörg Meibauer: Wortbildung und Kontextualismus

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12.12.2014
10.00 – 10.45 Rebekka Jay: Gradpartikeln und Intensifikatoren. Zur Grammatikalisierung von Adjektiven

11.00 – 11.45 Florian Eib: Grammatikalisierung und Pragmatik

12.00 – 12.45 Miryam Schellbach: Metapher als Verfahren

Mittagspause

14.00 – 14.45 Prof. Frank Liedtke: Grammatikalisierung als Fossilierung

15.00 – 15.45 Michael Reinke: Grammatikalisierung und Sprachwandel: Der Ansatz von R. Keller

Kaffeepause

16.30 – 17.15 Friederike Hempel: Ikonizität

17.30 – 18.15 Lydia Ansbach: Grammatikalisierung vs. Lexikalisierung: Der Ansatz von Christian Lehmann

Im Anschluss: Zusammenfassung / Fazit / Auswertung

Wer unsere studentische Tagung zu Grammatikalisierungsprozessen im Deutschen durch einen eigenen Vortrag bereichern möchte, ist herzlich dazu aufgerufen! Jedem Referenten stehen 30 Minuten Vortragszeit zur Verfügung, im Anschluss daran sind 15 Minuten zur freien Diskussion angesetzt. Der Vortragsraum ist mit PC, Beamer und Overhead-Projektor ausgestattet.
Bitte lassen Sie uns bis zum 02.12.2014 ein Abstract Ihres Vortrags (max. 300 Wörter) sowie eine kurze Übersicht Ihrer biographischen Daten zukommen. Die Kontakt-Adresse ist grammatikalisierungleipzig@gmail.com.

Weitere Vortragsthemen wären:

  • Emergenz, Paul Hopper
  • Gram-types, Joan Bybee
  • Metonymie als Verfahren
  • Modalverben
  • das bekommen-Passiv
  • Präpositionen
  • Hilfsverben
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