Im November 2012 habe ich Ivo Pala unter seinem Pseudonym Richard Hagen kennengelernt, als ich bei einer Leserunde von lovelybooks seinen Kriminalroman Ihr unschuldiges Herz gewann. Dieser Roman und vor allem Ivos Schreibstil haben mich so begeistert, dass ich ihn sogar für meine Bachelor-Arbeit über gesprochene Sprache heranzog.

Pünktlich zum Erscheinen des 3. Bandes der Elbenthal-Saga, Die eisige Göttin, war es letzten Donnerstag, am 28.03., endlich so weit – meine 2. Lesung mit Ivo Pala stand an. Und nicht nur das, ein Interview hatte ich mit ihm auch noch vereinbart. Mein Fangirl-Herz konnte kaum höher schlagen.

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Wieso schreibst du aus Sicht weiblicher Protagonisten? Worin besteht die Schwierigkeit und warum gelingt es dir so gut?

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Findest du, dass es mir gut gelungen ist? Das freut mich!

Meiner Meinung nach gibt es keinen prägnanten Unterschied zwischen den Geschlechtern, vorangig sind sie ja vor allem menschlich. Diese profunde Trennung ist veraltet bzw. gab es sie meiner Meinung nach nie. Es gab schon immer starke Frauen und schwache Männer, und so ist es auch in meinen Büchern. Die Charaktere sind alles Menschen mit Problemen. Ich bin als Autor ja ein Beobachter meiner Umwelt und verarbeite in den Büchern meine eigenen Erfahrungen.

Inga Jäger [Staatsanwältin aus Ihr unschuldiges Herz] zum Beispiel muss einen Spagat zwischen beruflicher Herausforderung und Mutterschaft meistern. Da sie sich dafür entscheidet, beides unter einen Hut zu bekommen, gelingt es ihr folgerichtig auch besser. Ihre Gedanken und Befürchtungen sind nachvollziehbar und nicht am Geschlecht festzumachen.

Svenya [Protagonistin der Elbenthal-Saga] wiederum ist einsam und wünscht sich eine Familie – auch das ist kein speziell weiblicher Wunsch.

Deswegen finde ich es auch nicht schwierig, mich in diese beiden hineinzuversetzen.

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Was war schwieriger: das junge Mädchen oder die verwitwete alleinerziehende und berufstätige Mutter?

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Vor 20 Jahren wäre es mir sicher noch schwerer gefallen, mich in Inga Jäger hineinzuversetzen. Mittlerweile habe ich aber sowohl die Erinnerungen an meine eigene Jugend sowie die Erfahrung der folgenden Jahren, die in die Figur der Inga Jäger einfließen. Früher hätte ich zwar über das junge Mädchen, nicht aber über Ingas Sorgen und Nöte schreiben können.

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[Achtung! Sowohl Frage als auch Antwort beinhalten leichte Spoiler zu Ihr unschuldiges Herz]

Wieso hast du dich für deinen ersten Krimi und Auftakt einer Reihe ausgerechnet für diese Thematik [Aktion T4 in der NS-Zeit] entschieden?

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Ich lebte in der Gegend [im Rheingau] und habe erst relativ spät, mit Ende 30, davon erfahren, was dort passiert ist.

Natürlich kennt man viele Geschichten aus dieser schwarzen Zeit, doch das ist alles so weit weg. Aber diese Geschehnisse ereigneten sich vor meiner eigenen Haustür, mit den Vorfahren von Menschen, die ich kenne, das hat mich schockiert.

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Wieso hast du dich für deine Krimi-Reihe für ein Pseudonym entscheiden und warum ausgerechnet für Richard Hagen?

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Ich habe mich für das Pseudonym entschieden, um für die Leser meine Fantasy-Romane von den Krimis zu unterscheiden. Das sollte eigentlich geheim bleiben, was ja leider nicht geklappt hat.

Richard Hagen habe ich gewählt, weil ich die Vorstellung lustig fand, dass in 20 Jahren herausgekommen wäre, dass Ivo Pala und Richard Hagen identisch sind.

Richard ist nämlich eine Hommage an Richard Wagner, dessen mythische Werke mich zur Elbenthal-Saga inspiriert haben, während Hagen eine Figur aus der Elbenthal-Saga ist – die Leser sollten einen Aha-Effekt haben.

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Wieso hast du die Elbenthal-Saga in Dresden angesiedelt?

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Oh, vor der Beantwortung dieser Frage habe ich mich immer etwas gedrückt. Das ist schwer zu vermitteln, weil es da viele Ansätze gibt.

Die beiden Vorworte des 2. Teils, Der schwarze Prinz, sind historisch belegt und berichten vom römischen Heerführer Drusus, der wegen eines riesenhaften Weibes daran scheitert, die Elbe zu überqueren. Die genaue Stelle ist umstritten, es könnte sich um Magdeburg handeln, doch ich halte Dresden für geographisch logischer. Ich stieß in einem ganz anderen Zusammenhang auf diese Texte und merkte, dass hier etwas Magisches passiert ist, wenn ein übergroßes Weib den größten römischen Heerführer vertreibt und sich damit eine Prophezeiung erfüllt. Und da kommt meine Aufgabe als Chronist der Geschichte zum Tragen. Kurz gesagt: Ich habe die Geschichte nicht in Dresden angesiedelt, sondern sie hat sich hier abgespielt und ich berichte lediglich darüber.

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Beim Schauplatz zu deiner Krimireihe, dem Rheingau, kennst du dich ja aus, wie sieht es da bei Dresden aus?

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Natürlich kenne ich mich in Dresden nicht so gut aus wie im Rheingau, immerhin habe ich da ca. 30 Jahre lang gelebt. Aber ich finde Dresden und seine Architektur toll, rein optisch ist es für mich eine der schönsten Städte Deutschlands.

Selbstverständlich habe ich mir all die Gebäude angeschaut, die oberiridisch gelegen ein Teil der Elbentahl-Festung sind.

Eigentlich hatte ich auch vor, viel mehr auf Dresden einzugehen, doch die Geschichte hat dem Chronisten einen Strich durch die Rechnung gemacht, als sich die Örtlichkeit plötzlich änderte.

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Neben Büchern schreibst du ja auch Drehbücher – was sind die Unterschiede?

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Ich versuche immer, so wenig Unterscheide wie möglich zu machen.

Es kommt allerdings vor, dass in einem Roman eine Info in einem Dialog nicht so richtig gut rüberkommt. Im Zweifelsfall, aber wirklich nur im äußersten Notfall, schreibe ich den Dialog dann in Erzähltext um.

Es macht mir Spaß, das gesprochene Wort so nah wie möglich an der Realität zu orientieren – zum Beispiel bei Elli Falkenstein aus Ihr unschuldiges Herz oder wenn Svenya mal wieder austickt

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Wird es mit der Elbenthal-Saga weitergehen?

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Es gibt noch nichts Konkretes, aber ich werde weiter über diese wunderbare Welt berichten.

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Vielen Dank für das Interview!

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Die Lesung war, genau wie die 1. im Oktober letzten Jahres, absolut gelungen. Eine Stunde hingen junge Fans gemeinsam mit Frauen mit Elfenohren gebannt an den Lippen des Autors, anschließend stand dieser noch für Fragen, Autogramme und Fotos zur Verfügung.

Mittlerweile habe ich auch den 2. Teil der Kriminalfälle um Staatsanwältin Inga Jäger und KHK Gebert, Bluthatz, geradezu verschlungen, wieder konnten mich der Fall und die tollen Ermittler restlos begeistern.

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