„Himmel, Fitzek! Was für eine Show!“

Vor Jahren las ich meinen ersten Fitzek, Amokspiel, am 14.02. besuchte ich meine erste Fitzek-Lesung, Noah. Damals wie heute konnte er mich restlos begeistern.

Nachdem mich sowohl Abgeschnitten als auch Der Nachtwandler etwas enttäuscht zurückgelassen hatten, konnte Noah mich wieder fesseln – obwohl es, rein thematisch, kein typischer Fitzek ist. Noah thematisiert die Überbevölkerung der Erde, die (möglichen) Folgen und die (möglichen) Lösungswege. Kein reiner Thriller um Mord und Totschlag also, dafür aber umso packender, da dieses Thema uns alle angeht.

Die Ankündigung ließ es bereits vermuten, es stand keine gewöhnliche Lesung bevor, in der der Autor allein im Scheinwerferlicht sitzt und beispielhafte Szenen seines Buches zum Besten gibt. Nein, Fitzek, der sich ja immer mal wieder mit einfallsreichen Aktionen hervortut, hatte mal wieder eine Idee: Einen Soundtrack zum Buch sollte es geben. Gleich zu Beginn beruhigte er sein Publikum, singen oder tanzen würde er nicht und das sei auch besser so. Für den musikalischen Teil hatte er 4 Musiker um sich gescharrt, die bereits mit Xavier Naidoo gearbeitet oder die Titelmusik zu Wickie und die starken Männer gemacht haben.

Vor der eigentlichen Lesung erzählte Fitzek von seiner Idee, einen Soundtrack zu einem Buch zu machen, und ging näher auf das Problem der Überbevölkerung ein. Um die Zahl der Menschen, die stündlich geboren werden und sich somit den bereits auf der Erde lebenden 7,2 Milliarden Menschen anschließen, zu verdeutlichen, machte er ein Foto einer Besucherin. Dieses „vermehrte“ sich dann während der Lesung – die Zahl stieg in erschreckender Geschwindigkeit. Dann begann die eigentliche Lesung. Und die kann ich eigentlich nicht in Worte fassen. Einen ersten Eindruck vermittelt dieses Video.

Musik, Sound- und Lichteffekte, ein zur jeweiligen Szene passendes Bild, Text und Fitzeks Stimme bildeten ein eindrucksvolles und dynamisches Ganzes. Wir standen vor einem verschneiten Berliner U-Bahn-Eingang, fuhren im Taxi durch Schneegraupel, hörten knatternde Hubschrauber und wurden von Suchscheinwerfern erfasst. Mehrfach hatte ich Gänsehaut, ganz gefangen in der Szene.

Zwischen den gelesenen Szenen erzählte Fitzek von seiner Intention bei diesem Buch, bei dieser Thematik, die uns alle betrifft. Er wollte kein Sachbuch schreiben, sondern unterhalten. Er wollte korrekte Fakten präsentieren, aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Er wollte aufrütteln, aber nicht belehren, da er sich selbst nicht ausnehmen konnte und wollte. Gewohnt selbstironisch führte er seinem Publikum die erschreckenden Fakten am eigenen Beispiel vor. Dass für die Herstellung der Currywurst, die er so gern isst, 5000l Wasser gebraucht werden. Dass wir, wenn alle Menschen seinen Lebensstil führen würden, 2,8 Erden bräuchten. (Wie groß dein ökologischer Fußabdruck ist, kannst du mit der App Operation Noah oder hier testen. Ich bräuchte 2,27 Erden.) Wie viel Getreideanbaufläche allein dazu genutzt wird, die Rinder, die später auf unserem Teller landen, zu ernähren. Und dass Deutschland mittlerweile Fläche im Ausland hinzukaufen muss, um diesen Bedarf zu decken. Fläche in Ländern, die selbst an Unterernährung leiden. Er schilderte seinen Zwiespalt: Soll man nur noch teure Kleidung kaufen, weil Billig-Klamotten unter schlimmsten Bedingungen hergestellt werden? Oder doch lieber Billig-Klamotten, um die Näherinnen wenigstens etwas zu unterstützen? Und wie sieht es mit dem Abwracken eigentlich noch verkehrstüchtiger Autos aus, um die Wirtschaft anzukurbeln, während man sein Handy so lange es geht behalten soll, wegen der Inhaltsstoffe, die von Kindern in Afrika mit bloßen Händen aus der Erde geholt werden? (Ich habe mein altes Handy damals zum Recycling eingeschickt.)

Obwohl die Thematik natürlich mindestens zum Nachdenken anregt, hatte ich weder beim Lesen des Buches noch bei der Lesung das Gefühl, belehrt oder gar angeprangert zu werden. Das lag natürlich an Fitzeks gelungenem und unterhaltsamem Umgang mit dem Thema, der Interaktion mit seinem Publikum, den vielen persönlichen Anekdoten aus seinem Leben und den Neckereien mit seiner Band, die mittendrin dazu führten, dass er doch noch selbst musikalisch aktiv wurde – und zwar am Schlagzeug!

Alles in allem war ich wirklich begeistert von dieser Art der Lesung und habe mir am Ende sowohl von Fitzek als auch von der Band mein Autogramm abgeholt – dafür nimmt man so ein bisschen Schlangestehen doch gern in Kauf.

Autogramm Fitzek

Ach ja. Am Ende der Lesung, also nach ca. 90 Minuten, hatte sich das Foto der Besucherin ~11500 Mal vermehrt. Erschreckend.

Liebe Grüße
Mandy

Advertisements