Wir alle kennen das: Uns wird ein Rezensionsexemplar angeboten und gierig, wie wir sind, greifen wir zu. Zumindest, wenn es gut klingt, und Klappentexte klingen meist gut, dafür werden sie schließlich geschrieben.

Im Sommer wurde mir ein Rezensionsexemplar angeboten aus einem Genre, das ich normalerweise nicht lese: Chick-Lit. Doch es war Sommer, es war mitten in der stressigen Prüfungszeit, meine Bachelorarbeit lag in den letzten Zügen und es war das erste Rezensionsexemplar, das mir angeboten wurde. Es klang locker-leicht und unterhaltsam, also schlug ich zu. Obwohl es ein E-Book war und ich, E-Reader-los, somit gezwungen, es auf dem PC zu lesen. Bei ~ 300 Seiten stellte ich mir das allerdings nicht so schlimm vor.

Ich fing an und es begann auch wirklich unterhaltsam. Doch gleich auf den ersten Seiten fielen mir relativ viele Fehler auf, meist sogenannte Kleinigkeiten, aber auch sie stören den Lesefluss. Ich überlegte und fragte dann doch bei der Autorin nach, ob ich sie beim Lesen einfach gleich korrigieren soll. Sie fielen mir ja sowieso auf und in einer word-Datei ging das ja relativ fix, kein Problem also. Sie stimmte zu, alles gut.

Die Fehlerdichte nahm leider nicht ab, der Einstieg zog sich so lange hin, bis die Geschichte fast vorbei und irgendwie nicht mehr unterhaltsam war und es wurde etwas ermüdend, die ganze Zeit am Rechner zu lesen. Letzteres ist natürlich meine eigene Schuld, aber es kam zu den beiden anderen Punkten hinzu, weswegen mein Lesevergnügen doch recht getrübt wurde.

Am Ende fand ich das Buch gar icht mehr gut. Es war teilweise krampfhaft witzig geschrieben, die Geschichte nahm nie Fahrt auf, im Gegenteil, was ich für den Einstieg hielt, war bereits die ganze Geschichte. Die vielen kleinen Fehler machten es nicht besser.

Wieder überlegte ich und entschloss mich dann dazu, keine Rezension zu schreiben. Sie wäre nicht gut, gar nicht gut ausgefallen, was aber nicht nur an den aufgezählten Kritikpunkten lag, sondern auch daran, dass Chick-Lit offenbar einfach nicht mein Thema ist. Dafür können weder die Autorin noch ihr Erstlingswerk etwas, ich wollte ihr keine schlechte Rezension schreiben.

Ich teilte ihr meine Enscheidung mit und hängte die lektorierte Datei mit Erklärung und meiner Meinung an die Mail.

Bis heute habe ich keine Reaktion erhalten.

Nun frage ich mich, ob und ab wann ich möglicherweise falsch gehandelt habe.

Ja, sie hat mir ein Leseexemplar zur Verfügung gestellt, um im Gegenzug eine Rezension zu erhalten. Unterwirft mich das einem Zwang, diese auch wirklich zu schreiben? Vor allem, wenn mich das Buch einfach überhaupt nicht packen konnte? War es unhöflich von mir, ihr ein (kostenloses) Lektorat anzubieten (und sie damit auf ihre Fehler hinzuweisen)? Ist es vermessen, dafür und trotz der fehlenden Rezension wenigstens ein „Danke“ zu erwarten? Wie seht ihr, sowohl Blogger als auch Autoren, das?

Ich habe daraus gelernt, keine E-Books mehr zu lesen. Es macht auf dem Rechner einfach keinen Spaß und selbst das tollste, spannendste, lustigste Buch verkommt zu reiner Leseanstrengung.

Viele Grüße
Mandy

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