Wie die meisten von euch sicher schon mitbekommen habe – ich wurde ja nicht müde, es auf twitter immer und immer wieder zu betonen – waren die letzten beiden Wochen unglaublich ereignisreich, aufregend und emotional für mich. Diese Zeit ist nun seit gestern vorbei. Aber von Anfang an.

Am Dienstag, dem 09.07.2013, schrieb ich eine sehr wichtige Prüfung. Übersetzen eines allgemeinsprachlichen Textes aus dem Deutschen ins Französische. Man muss die Prüfung separat bestehen, obwohl sie mit einer anderen verrechnet wird. Ich bin bereits zwei Mal durchgefallen, hatte also nur noch diesen einen Versuch. Dementsprechend groß war meine Nervosität und, ja, Angst. Hinzu kam, dass ich ca. 1,5 Wochen später meine Bachelor-Arbeit abgeben musste und mir beim Lernen gewissermaßen selbst im Weg stand. Montagabend beschloss ich dann noch spontan, den Bachelor in Germanistik um den Master zu ergänzen. Leider lief die Frist nur bis zum 10.06.2013. Nichtsdestotrotz fragte ich im Institut nach, ob man da eventuell noch etwas machen könne. Am nächsten Tag hatte ich vor der Prüfung 2 Mails der Institutsdirektion und -leitung im Postfach, ich ignorierte beide, weil ich mich voll und ganz auf die Prüfung konzentrieren wollte. Glücklicherweise war ich während der 2 Stunden sehr ruhig, hatte am Ende sogar noch Zeit, meine obligatorischen Schusselfehler zu beheben. Nach Beendigung der Prüfung fiel alle Anspannung von mir ab und die Nervosität kehrte zurück. Als ich dann noch die beiden Mails las, in denen mir mitgeteilt wurde, dass die Anmeldefrist für den Master wegen eines Fehlers auf der Homepage bis zum 10.07.2013 liefe, ich also noch bis zum nächsten Tag mein Motivationsschreiben und meine Zeugnisse einreichen könne, war das im ersten Moment einfach zu viel für mich. Minutenlang saß ich im PC-Pool der Uni und starrte den Rechner an. Dann machte ich mich an die Arbeit, suchte die Unterlagen zusammen, verfasste das Motivationsschreiben und versetzte auch meine Mama in helle Aufregung (Danke für deine Hilfe!).

Da ich den Mittwoch schon komplett für die Bachelor-Arbeit eingeplant hatte, blieb mir nur dieser eine Abend, aber vielleicht war es besser, als wenn ich mir zu viele (=noch mehr) Gedanken gemacht hätte.

Am Mittwochmorgen reichte ich meine Unterlagen ein, versuchte, den Kopf wieder klar zu bekommen, und widmete mich wieder ganz der Bachelor-Arbeit – in einer Woche musste ich sie schließlich zum Binden geben und ich war noch nicht ganz fertig mit dem Schreiben.

Mein Thema war die „Gesprochene Sprache in literarischenTexten. Vergleich eines Jugendromans mit einem Erwachsenenroman“. Ich verglich Die Wunschmaschine. Im Zeichen der grünen Sonne von Alexander Rothe mit Ihr unschuldiges Herz von Richard Hagen aka Ivo Pala. Zusammen mit meiner Mama extrahierte ich die komplette gesprochene Sprache von insgesamt 6 Personen – es war eine Heidenarbeit, also nochmals: Danke für deine Hilfe, Mama!

Dass ich wirklich mit den Büchern gearbeitet habe, kann man an Ihr unschuldiges Herz wunderbar erkennen.

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Die aussagekräftigsten Kapitel wählte ich aus und untersuchte sie hinsichtlich der Merkmale gesprochener Sprache. Gerade dieser praktische Teil hat die Beschäftigung mit dem Thema so spannend gemacht, hinzu kam der Austausch mit den Autoren, auch dafür vielen Dank!

Natürlich hatte ich am Ende noch einige Probleme mit der Formatierung, ohne ein gewisses Maß an Spannung und Aufregung scheint es bei mir nicht zu gehen, doch mein Chef war so nett, meine Arbeitszeit einzuschränken und mir seine Technik zur Verfügung zu stellen, Freunde standen mir mit Rat und Tat bei der Lösung der technischen Probleme zur Seite – ich danke euch dafür!

Am Mittwoch war es dann soweit. Morgens war ich noch auf Arbeit, um die letzten Kleinigkeiten zu erledigen (Oh Gott, hoffentlich habe ich nichts vergessen!), dann gab ich mein Werk zum Binden. Eigentlich wollte ich eine Hardcoverbindung, aber die Paperbackbindung gab es in Sonnenblumengelb, wie hätte ich da widerstehen sollen?

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Kurz zuvor begegnete ich auch noch dem Erstkorrektor der wichtigen Prüfung. Er lief an mir vorbei, sagte nur: „Sie haben bestanden“ und ließ mich da so stehen. Nach kurzer Starre, ich konnte es nicht so recht glauben, lief ich ihm hinterher, und tatsächlich, die Erstkorrektur hatte eine 3,0 ergeben! Zugleich freudestrahlend und, natürlich, heulend, lief ich durch die Uni. Hach ja.

Am Donnerstag gab ich die Arbeit dann ab – endlich frei! Ach nein, eine Prüfung stand ja noch aus.

Ich hatte dieses Semester eine Vorlesung und zwei Seminare, die meine Lust, endlich mein historisches Leseprojekt zu starten, extrem steigerten: Einführung in die ältere deutschsprachige Literatur, Wirnt von Grafenberg: Wigalois und Hartmann von Aue: Iwein. Zum letztgenannten Seminar und zur Vorlesung gab es eine 45-minütige Prüfung, die noch ausstand. Es galt, einen kurzen Text aus dem Mittelhochdeutschen zu übersetzen, eine Frage dazu und eine Frage aus der Vorlesung zu beantworten. 45 Minuten sollten machbar sein, da ich aber kaum Zeit zum Lernen hatte, war ich, natürlich, trotzdem wieder aufgeregt. Die Freude auf das anschließende, von unserer Dozentin in Aussicht gestellte Eis überwog allerdings. An dieser Stelle nochmals vielen Dank für das Eis!

Direkt im Anschluss ging es zur feierlichen Abschlussveranstaltung für die Bachelor- und Masterstudenten. Ich kannte zwar so gut wie niemanden, aber das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Der FSR und einige Dozenten boten ein tolles (Musik-)Programm und schöne Reden – ich brach zur Abwechslung sogar mal nicht in Tränen aus! Am Ende bekamen wir sogar symbolische Zeugnisse überreicht – 3 Hausarbeiten stehen ja noch aus. Kein Grund, sich nicht darüber zu freuen.

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Ein rundum gelungener Abschluss dieser zwei aufregenden Wochen.

Oder doch nicht?
Heute lag doch tatsächlich ein Schreiben der Universität Leipzig im Briefkasten. Mit zitternden Fingern riss ich es direkt im Treppenhaus auf – ich hatte die Eignungsfeststellungsprüfung erfolgreich bestanden! Ich denke, niemand kann mir verübeln, dass ich dann doch nicht mehr an mich halten konnte und meinen Tränen nun doch spontan mitten im Treppenhaus freien Lauf ließ. Was für ein rundum gelungener Abschluss dieser zwei aufregenden Wochen!

Vielen, vielen Dank an euch, die die ganze Zeit an mich gedacht, mir Mut zugesprochen, mich unterstützt und mir die Daumen gedrückt haben. Und ein riesengroßes Dankeschön an Katharina für ihr wunderbartolles Geschenk! ♥

Liebe Grüße
Mandy

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