Vor Kurzem nahm ich nach langer Zeit mal wieder an einer Leserunde bei lovelybooks teil und gewann tatsächlich eins von 50 Exemplaren von Die Welle von Morton Rhue. Nachdem ich bisher nur den Film kannte, und auch der schon eine Weile zurückliegt, war ich sehr gespannt auf das Buch.

Ben Ross ist ein ambitionierter Geschichtslehrer, der seine Schüler mithilfe eines Filmes über die Schrecken des Nationalsozialismus aufklären will. Als er die aufkommenden Fragen, wie so etwas passieren konnte, ohne dass jemand etwas mitbekommen haben will, nicht beantworten kann, beschließt er, seinen Schülern mittels eines Experimentes die Gefahren – und Verlockungen – des Faschismus näher zu bringen. Als auch er selbst der Verführung durch die Macht nicht mehr standhalten kann, eskaliert das Experiment.

Als das Buch bei mir ankam, war ich sehr überrascht, wie dünn es doch ist, wie sollte man diese komplizierte und komplexe Problematik auf so wenigen Seiten (192) entfalten können?

Die Sprache ist recht einfach gehalten und eingängig, weswegen ich sehr schnell Zugang zur Geschichte fand, auch kommt Morton Rhue sehr schnell auf den Punkt. Von Anfang an fühlte ich mich in diese amerikanische Highschool versetzt, lernte die unterschiedlichen Schüler(-typen) kennen und wusste, wen ich mag und wen eher nicht.
Auch das Experiment selbst kommt sehr schnell ins Rollen, verselbstständigt sich und wird am Ende genau so schnell wieder abgebrochen – für meinen Geschmack ging alles ein bisschen zu schnell und blieb daher zu oberflächlich. Ich hätte mir an manchen Stellen mehr Tiefgang gewünscht, sowohl bei der Beschreibung der Entstehung und Verselbstständigung als auch bei der Klärung, warum Die Welle keine gute Organisation war. Denn gerade anfangs sah alles so positiv aus: Die Klasse wuchs zusammen, Außenseiter wurden anerkannt und auch auf den Mannschaftssport ging dieses Gemeinschaftsgefühl über. Doch diese Gruppendynamik verkehrte sich ab einem gewissen Punkt ins Negative; Angehörige der Gruppe bedrohten jene, die nicht beitreten wollten, manche wandten sich gegen ihre einst besten Freunde und sogar dem Lehrer steigt seine Führerrolle zu Kopf.

Es war interessant und beängstigend zugleich, zu sehen, wie leicht sich Menschen – nicht nur Kinder – von Macht verführen lassen, wie leicht wir zu manipulieren sind. Zu behaupten, man selbst würde natürlich zu denjenigen gehören, die (passiven) Widerstand leisten, ist immer leicht, wenn man diesem Strudel nie ausgesetzt war, auch das ist etwas, das man im Buch lernt.

Der Gestaltung des Buches stehe ich zwiespältig gegenüber. Gefallen haben mir die Bilder aus dem Nationalsozialismus, die jedem Kapitel vorangestellt sind, sorgen sie doch für Atmosphäre. Die Hervorhebung wichtiger Gedanken durch Großbuchstaben hat mir hingegen nicht gefallen, sie haben meinen Lesefluss immer wieder unterbrochen.

Auch die gesprochene Sprache hat mich – Überraschung – nicht gerade begeistert. Ich fand sie an manchen Stellen sonderbar gekennzeichnet, so dass ich nicht sofort zuordnen konnte, wer nun eigentlich spricht, außerdem wirkte sie leicht antiquiert und nicht jugendlich.

Sehr spannend fand ich das an die Geschichte anschließende Interview mit dem „echten“ Ben Ross. Es zeigt, dass sich so etwas tatsächlich ereignen kann, was die beschriebenen Ereignisse gleich noch viel bedrohlicher erscheinen lässt.

Ich vergebe 4 Sonnen.

Habt ihr das Buch auch gelesen, vielleicht sogar in der Schule? Wie hat es euch gefallen? Was denkt ihr, würde euch ein solches Experiment verändern?

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!
Mandy

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