Seit ich im Sommer unsere komplette Wohnung in meine Buchbinderwerkstatt verwandelte, sah es hier immer ein bisschen chaotisch aus, überall lagen mein Zubehör und meine Materialien herum, wo sich eben gerade ein Plätzchen fand. Die Pinsel lagen in der Spüle, die Pressbretter im Schlafzimmer und auf dem Bürostuhl lagerten sich Stoffe, meine vollgestopfte Werkzeugkiste und seit Kurzem eben auch noch der Matratzenschaumstoff. Die Bücher selbst band ich auf dem Küchenschrank. Das musste ein Ende haben!

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Ich beschloss, mir eine kleine Werkecke mit genügend Stauraum einzurichten, dann müsste ich auch nicht immer alles hin- und hertragen, wenn mich der Arbeitseifer packt. Ich suchte also im Internet nach Küchenunterschränken, der in der Küche hatte sich bestens bewährt, hoch genug und stabil zugleich, doch leider fand ich nichts Passendes.

Glücklicherweise erbarmte sich mein Freund meiner, erkundigte sich bei einem befreundeten Tischler und beschloss kurzerhand, die Sache selbst in die Hand zu nehmen! Wenn ich für die notwendigen Materialien sorge, baue er mir eine Werkbank. Nichts leichter als das, dachte ich mir.

Am Montag war es soweit, ich maß die entsprechende Nische aus und machte mich frohgemut auf den Weg zum nächstgelegenen Baumarkt. Zu Fuß und bei Schnee brauchte ich ca. 20 Minuten. Naives Dummchen, das ich bin, ging ich davon aus, alles einfach in meinen Rucksack packen und so nach Hause tragen zu können. Doch weit gefehlt.

Arbeitsplatten, wie ich sie wollte, gab es nur ab einer Länge von 2 m, ich brauchte 1,03m. Ich ließ sie mir also zurechtschneiden und beschloss, auch den geplanten Zwischenboden aus diesem Brett schneiden zu lassen, da ich nun einmal die ganze Platte kaufen musste.
Nun hatte ich eine Hartholzplatte von 103 x 50 x 4 cm, die passte natürlich nicht in meinen Rucksack, geschweige denn zusammen mit der zweiten. Ich ließ die zweite Hälfte erst einmal im Laden, schwang mir meine Platte unter den Arm und los ging’s.

Das war natürlich nicht so leicht, wie es sich jetzt hier liest, da ich bei einer Körpergröße von 1,64 m leider nicht über sehr lange Arme verfüge und die Platte kaum umfassen konnte. 45 Minuten später und komplett durchgeschwitzt kam ich zu Hause an. Ich lud die Platte ab und machte mich auf den Rückweg zum Baumarkt – da warteten ja die Beine noch auf mich, die ich mir noch schnell hatte schneiden lassen, was man hat, hat man.

Als ich wieder daheim war, war ich nicht mehr in der Lage, die zweite Platte noch abzuholen, glücklicherweise hatte ich mit dem netten und geduldigen Baumarktmitarbeiter (Danke!) vereinbart, sie am Donnerstag abholen zu können. Da sonst nur noch Winkel und Schrauben fehlten, sollte das doch ein Leichtes sein! Pustekuchen.

Montag Abend überprüften mein Freund und ich, ob die Platte in die Nische passt – sie war natürlich 2 mm zu breit …
Ich musste also Donnerstag mit der Platte zum Baumarkt, sie kürzen lassen, sie wieder nach Hause bringen, wieder zum Baumarkt, und die zweite Platte samt Winkel und Schrauben holen.

Da ich Mittwoch immer noch unter Muskelkater litt und meine Arme eigentlich zu nichts zu gebrauchen waren, entschied ich mich, die zu kürzende Platte zwar zum Baumarkt zu tragen (dank mittlerweile einigermaßen geräumter Wege brauchte ich sogar nur 30 Minuten!), für den Rückweg aber ein Taxi zu nehmen.

Glücklicherweise ließ sich der Taxifahrer auch noch breitschlagen, meine Platten bis hoch vor die Wohnung zu tragen, endlich hatte ich alles beisammen!

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Gestern ging es dann endlich los. Gleich nach dem Frühstück fingen wir an zu werkeln.
Mit einer geborgten Stichsäge ohne Führungsschiene wurden Löcher für die Beine in den Zwischenboden gesägt, danach ging es an die langwierige Schraubarbeit – natürlich ohne Akkuschrauber.
Als es irgendwann begann, in meiner Handfläche zu brennen, dachte ich mir nichts dabei, bis ich sie entdeckte: eine Blase! Tapfer umwickelte ich den Schraubenzieher und weiter ging’s.

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Blöderweise wurde es für Schraubenzieher, Hand und Umwickelung zu eng, als wir die Beine anschrauben mussten, meine Hand sieht jetzt entsprechend aus, aber ich würde sagen, es hat sich definitiv gelohnt!

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Vielen, vielen Dank an meinen wunderbaren und geduldigen Freund für diese großartige Werkbank! ♥

Begeisterte Grüße
Blasenmatz

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