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Ich bin enttäuscht, einfach nur enttäuscht. Ich war zwar schon von den beiden Vorgängern nicht gerade begeistert, aber was Pullman sich hierbei gedacht hat, wenn er sich denn etwas gedacht hat, erschließt sich mir einfach nicht.

Nach kurzer Trennung sind Will und Lyra wieder vereint und beschließen, zusammen ins Reich der Toten zu gehen, weil beide da noch etwas zu erledigen haben. Sie stoßen natürlich auf alte Bekannte, auf Wesen aus allen Welten und böse Harpyien, mit denen sie ein Tauschgeschäft aushandeln.
Währenddessen schreiten die Vorbereitungen Lord Asriels zur Errichtung der Republik des Himmels und der Schlacht gegen den Allmächtigen voran.

Gründe für meine Enttäuschung gibt es viele, ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll.

Das Erste, was mir negativ auffiel, waren die Zitate, die jedem Kapitel vorangestellt sind. In meiner Ausgabe sind sie in einen grauen Kasten eingefasst, der zentriert mitten zwischen den ersten 7 Zeilen des Textes steht und so den Lesefluss ziemlich stört. Sicher eine gute Idee, da die Zitate gewissermaßen den Inhalt des kommenden Kapitels vorgeben, aber spätestens am Ende eines jeden Kapitels wusste ich nicht mehr, was in dem grauen Kasten stand, es war für mich also vollkommen überflüssig.

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Die viele sinnlose Gewalt, die ich bereits im 2. Band als störend empfand, wird im 3. nur noch gesteigert, dabei ist nicht die angekündigte Schlacht das schlimmste Beispiel, sondern vielmehr Taten Einzelner, die umso erschreckender sind, da vollkommen unnötig.

Dann gibt es den großen Kritikpunkt der Unglaubwürdigkeit vieler Handlungsstränge. Handlungen und Gefühle der Personen sind oftmals kaum nachvollziehbar, die Charakterentwicklung mancher Figuren geht so schnell, krass und ruckartig vonstatten, dass sie schlicht fragwürdig ist.

Über die Lyra vom Anfang kann man z.B. sicher viel Negatives sagen, sie war unerzogen, wild, verlogen und auch noch stolz drauf, alles in allem auf den 1. Blick kein sonderlich liebenswertes Kind, aber sie war authentisch. Im 3. Band hat sie zwar viel erlebt, was an niemandem spurlos vorbeigegangen wäre, aber sie hat einen so radikalen Wandel durchgemacht, dass sie nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, die wahre Lyra ist irgendwo im Buch abhanden gekommen – und das, wo ich den Wildfang vom Anfang doch gerade lieb gewonnen hatte.

Die Geschichte hat so viele Lücken, wie Pullmans Welten Fenster haben, und das sind nicht wenige. Es gibt Logikbrüche und viele Handlungsstränge werden entweder gar nicht oder vollkommen unbefriedigend beendet.

Wenn ein ernsthaftes Problem auftritt, zaubert Pullman jedes Mal eine meist konstruiert und erzwungen wirkende Möglichkeit aus dem Hut, dieses zu umgehen oder in Wohlgefallen aufzulösen.
Die groß angekündigte Schlacht umfasst gerade mal knapp 10 Seiten, wenn überhaupt, einen Ausgang gibt es nicht, zumindest wird keiner beschrieben. Dafür, dass Wesen aus allen Welten beteiligt sind, ist sie sehr dürftig. Der Allmächtige wird wenig spektakulär niedergestreckt, es liest sich zwar rasant, doch wenn man überdenkt, wer da gerade wen auf welche Art und Weise zur Strecke gebracht hat, ist es nicht nur lächerlich, sondern auch unglaubwürdig.

Gott selbst ist ein sehr anrührendes Wesen, wieder kommt in mir der Verdacht auf, dass Pullman vor allem ein Talent hat, nicht menschliche Wesen und deren Gefühle zu beschreiben. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich gar nicht beurteilen kann, ob die Gefühle eines Gottes authentisch dargestellt sind oder nicht.
Die alle Welten bestimmende Prophezeiung erfüllt sich ganz nebenbei und endet in großem Kitsch, das waren für mich wirklich sehr eigenartig anmutende, fast schon verstörende Szenen.

Am Ende geht alles ganz schnell und nach der letzten Seite habe ich tatsächlich auf der Suche nach mehr weitergeblättert, das konnte es doch noch nicht sein.
Ich habe allerdings gerade gelesen, dass laut Pullmans Aussage noch ein Band aussteht, das würde dieses mehr als unbefriedigende Ende, das eigentlich gar keines ist, natürlich erklären.

Es gab natürlich auch Positives an diesem Band.

So ist bis kurz vorm Schluss nicht klar, auf wessen Seite nun eigentlich Mrs. Coulter steht. Das ist natürlich spannend, die Auflösung aber auch hier einfach nicht glaubhaft.

Dank der Existenz vieler Parallelwelten, in denen sich die Evolution jedes Mal anders abgespielt haben könnte, tauchen in diesem Buch die Mulefa auf, rautenförmige Wesen mit Rüsseln, die sich auf Rädern fortbewegen und einfach liebenswert sind.

Die Stellen, an denen ich wahrhaft mitgefiebert und mitgefühlt haben, können aber die vielen Stellen, an denen ich innerlich schon für nur 2 Sterne plädiert habe, allerdings bei Weitem nicht wett machen, weswegen ich dieses Mal tatsächlich nur enttäuschende 2 Sterne vergebe, eine Seltenheit.

Eins hat das Buch allerdings geschafft: Ich habe danach tatsächlich versucht, diesen Trancezustand zu erreichen, um meinen Daemon sehen zu können. Geklappt hat es leider nicht.

Eigentlich wollte ich noch ein Fazit zur Trilogie anfügen, aber zusammen mit der Rezension wäre der Text dann einfach zu lang geworden, das habe ich selbst nicht erwartet, als ich anfing zu schreiben. Das Fazit folgt also später.

Viele Grüße
Mandy

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