das Buch bei lovelybooks

 

Nach Beendigung des Buches fragte ich mich, wie es der Autor schafft, so viele Ereignisse auf so wenigen Seiten unterzubringen. Es passiert soviel, doch er- oder gar geklärt wird kaum etwas. Natürlich erfährt der Leser, was es mit dem Magischen Messer auf sich hat, das auch an einigen Stellen sehr wichtig wird, doch ansonsten werden eher immer mehr Fragen aufgeworfen, als beantwortet.

Lyra ist ihrem Vater auf der von ihm erschaffenen Brücke in eine andere Welt gefolgt, in der offenbar nur Kinder leben. Gleichzeitig muss Will, er kommt aus unserer Welt, nicht nur vor zwei gefährlichen Männern flüchten, sondern auch noch seine Mutter beschützen. Zufällig findet er ein Fenster zu der Welt, in der sich mittlerweile auch Lyra befindet. Die beiden begegnen sich und stellen fest, dass sie offenbar die gleichen Antworten suchen und zusammenarbeiten sollten.

Dieser Band spielt in 3 Welten: in Lyras ursprünglicher, in der von ihr entdeckten neuen und in Wills, die Geschichte wird immer wieder wechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt, jedes Mal befindet sich der Leser wieder in einer anderen Welt. Das ist einerseits ziemlich verwirrend, andererseits hält es die Spannung über das ganze Buch verteilt oben. Das Öffnen des Zugangs zu einer neuen Welt hat das Magnetfeld aller Welten durcheinandergebracht, das Wetter spielt verrückt, Tiere, Menschen und Hexen sind gleichermaßen verwirrt. Außerdem hat sich das Weltengefüge verschoben, es gibt Übergänge zwischen den Welten, die Welten beginnen, sich zu vermischen.

Langsam scheint sich herauszukristallisieren, worauf die Geschichte hinauslaufen muss, Lyra scheint Teil einer Prophezeiung zu sein, die die Hexen kennen und deren (Nicht-)Erfüllung alle Welten betreffen wird. Die Kirche und ihre Mitglieder versuchen durch Folter und Intrigieren, Wissen über diese Prophezeiung zu erlangen, um Einfluss darauf nehmen zu können. Dabei schrecken die einzelnen Gesellschaften nicht davor zurück, notfalls gegeneinander vorzugehen, um am Ende die alleinige kirchliche Macht zu übernehmen.

Da das Buch mit 366 im Vergleich zum ersten und dritten Band recht dünn ist und doch sehr viel passiert, bleiben, wieder, die Emotionen auf der Strecke. Kinder agieren unerwartet grausam und schrecken sogar vor Morden nicht zurück, zu denen es angeblich keine Alternativen gab. Die Kinder denken darüber fast schon geschäftsmäßig nach, was ich erschreckend fand.
Berührend waren wieder die Gefühle zwischen Mensch und Daemon und die zwischen Engeln – als fiele es dem Autor leichter, nicht menschliche Emotionen besser darzustellen.

Auch an Lyra störte ich mich wieder. Sie kommt in Wills Welt, eine Welt, die sich trotz einiger Gemeinsamkeiten doch größtenteils von der ihren unterscheidet, und sei es nur in Bezeichnungen eigentlich gleicher Dinge (elektrisch vs. anbarisch) – und trotzdem findet sie sich sehr rasch in dieser Welt zurecht. Die Ängste und Zweifel, die sie angeblich hat, kann ich ihren Handlungen wieder nicht entnehmen.
Gefallen hingegen haben mir Kleinigkeiten, die Atmosphäre schaffen. So weiß Lyra zum Beispiel nicht, wie man sich die Haare wäscht, weil sie in ihrer Welt dafür eine Bedienstete hatte.

Auch bei diesem Band war ich wieder hin- und hergerissen: 3 oder 4 Sterne? Dieses Mal entschied ich mich für 3. Zum einen wegen der bereits im 1. Band angesprochenen emotionalen Mängel, die hier fortgesetzt wurden, zum anderen weil ich nach dem Lesen des Buches einfach nicht zufrieden war. Ich bin trotzdem wahnsinnig gespannt, wie die Geschichte weitergeht, wie alles zusammenpasst und was aus Lyra und Will wird.

Nachtrag:

Es ist eigenartig. Es ist nun ungefähr 1 Woche her, dass ich das Buch auslas und diese Rezension schrieb und ich könnte kaum mehr sagen, was eigentlich passiert ist. Irgendwie scheint nichts hängengeblieben zu sein. Immer mehr, auch beim Lesen des 3. Bandes, kommt es mir so vor, als sei der 2. Band nur ein notwendiges Bindeglied zwischen dem 1. und dem 3. Band, keine mehr oder weniger eigenständige Geschichte. Das sagt wohl ziemlich viel aus und bestätigt mich darin, nur 3 Punkte gegeben zu haben.

Viele Grüße
Mandy

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