Mal wieder ein Buch, das mich mit sehr zwiespältigen Gefühlen zurückgelassen hat. Ich habe mich mit der Rezension nicht leicht getan, das Buch hat es mir aber auch nicht leicht gemacht.

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David Kleingers bezeichnet Pullmans His-Dark-Materials-Trilogie als „latent humanistischer Gegenentwurf zu C. S. Lewis‘ christlich geprägter Erlösungs- und Erweckungsmission im Lande Narnia.“ Dem Goldenen Kompass fehlt dadurch der verklärt-märchenhafte Aspekt, den Narnia für mich so liebenswert macht. Die Welt, in der der erste Teil der Trilogie spielt, ist der unseren recht ähnlich, eine sonderbare Mischung aus Neuzeit, (Spät-)Mittelalter und Fantastischem.
So gibt es Maschinengewehre, die Inquisition und sprechende Bären.

Die 11-jährige Lyra wächst in einer Oxforder Universität unter lauter männlichen Wissenschaftlern auf, die mit ihrer Erziehung leicht überfordert sind. Ihr Onkel Asriel lässt sich nur gelegentlich blicken und bringt seiner Nichte keine Liebe entgegen. Als in ihrer Stadt immer mehr Kinder verschwinden, am Ende auch Lyras bester Freund, ist ihre übermächtige Neugier geweckt. Was hat die mysteriöse Oblations-Behörde mit dem Verschwinden zu tun? Gibt es einen Zusammenhang zu der mysteriösen Reise in den Norden, die ihr Onkel geplant hat? Und was ist eigentlich Staub? Dann wird sie aus Oxford weggeholt und zur Assistentin der faszinierenden Mrs Coulter bestimmt. Eine ereignisreiche Reise beginnt.

Die hier beschriebene Welt ist unserer einerseits so ähnlich, dass sie sich vertraut anfühlt, andererseits gibt es Unterschiede, die nicht erklärt werden, was es mir anfangs etwas erschwert hat, in die Geschichte reinzufinden. Nach einem Viertel allerdings waren diese Schwierigkeiten vergessen und ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen.

Die Geschichte ist spannend, an vielen Stellen aber auch verwirrend, viele Situationen wurden mir zu schnell abgehandelt, da hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht. Auch wurden viele zwischenmenschliche Aktionen und Emotionen, wie Angst und Zweifel, nicht glaubwürdig genug geschildert. Der Autor schreibt zwar z.B., die Kinder hätten Angst, nachempfinden kann ich diese beim Lesen aber nicht. Es ist, als wäre ich durch einen unsichtbaren Schleier von den Menschen und ihren Gefühlen getrennt. Überzeugend und ergreifend geschildert ist hingegen die Beziehung zwischen Menschen und ihrem Daemon. In Lyras Welt führt jeder Mensch einen tierischen Daemon mit sich, der seine Seele darstellt. Die Schilderung dieser Beziehung und aller Konsequenzen hat mir öfter die Tränen in die Augen getrieben.

Lyra konnte mich leider auch nicht immer überzeugen. Sie scheint der geborene Anführer zu sein, aber manchmal erscheint mir das für ihr Alter doch zu übertrieben, sie wirkt zu abgeklärt, zu heroisch, zu wenig kindlich. Auch ihre Begleiter, die sich alle für sie aufopfern, bleiben zweidimensional. Irgendwann haben alle sie lieb und wären bereit, ziemlich viel, wenn nicht sogar alles, für sie zu riskieren. Mir fehlte aber die Entwicklung dieser Gefühle. Es ist einfach so. Dabei sind die Figuren und ihre Geschichten alle durchweg interessant, sie können mich nur emotional nicht packen.

Auch einige sprachliche Unschönheiten sind mir aufgefallen, fehlende Kommas, Wortwiederholungen, aber diese sind wohl eher dem Übersetzer anzulasten als dem Autor.

Am meisten enttäuscht hat mich sicher wirklich, dass der ganzen Geschichte nachvollziehbare und glaubwürdige, wahrhaft menschliche Emotionen fehlen. In der Geschichte passieren ziemlich viele Sachen, neben dem Hauptstrang gibt es viele Nebenschauplätze, doch alle werden irgendwie lieblos nacheinander abgehandelt. Es ist, als würde man Marionetten zuschauen, die eine gute Geschichte erzählen.

Ich schwankte zwischen 3 und 4 Sternen, da die Geschichte an sich aber interessant war und ich sehr gespannt bin, wie es im 2. Teil weitergeht, habe ich mich für 4 Sterne entschieden.

Staubige Grüße
Mandy

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