Was mach ich hier eigentlich?

„Was denkt ihr denn, was ich den ganzen Tag so mache?“ – das frage ich die Teilnehmer meiner Führungen immer. Und dann ist es erst mal ruhig.
Vielleicht habt ihr euch auch schon gefragt, was ich hier eigentlich mache. Im Bauwagen. Am Meer.
Kurz gesagt: Ich bin Vogelwart. Da das allerdings nicht sehr aussagekräftig ist, will ich euch heute erzählen, was so alles zu meinen Aufgaben gehört. Wir haben hier 3 große Aufgabenbereiche: Öffentlichkeitsarbeit & Umweltbildung, hilfswissenschaftliche Arbeiten und Gebietsbetreuung.

Öffentlichkeitsarbeit & Umweltbildung

Das ist unser größter Aufgabenbereich unter dem Motto „Nur was man kennt, kann man auch schützen“. Bei mir kann man Wattwanderungen und Vogelführungen oder eine Kombination aus beidem besuchen. Dann gehe ich mit den Teilnehmern ins Watt oder über den Deich/in die Felder und zeige und erkläre die typischen Arten und ihre Lebensweisen. Ich habe hauptsächlich Mischwatt mit ein paar sandigen und ein paar schlickigen Stellen, es gibt viel Seegras, man kann hier Miesmuscheln, pazifische Felsenaustern und Strandkrabben finden, mein Liebling ist die Pantoffelschnecke. Bei den Vogelführungen gehe ich auf die Bedeutung des Wattenmeers als Brut- und Rastgebiet ein und erkläre am Beispiel des Knutts, warum man Rastvogelschutzgebiete nicht betreten darf: Der kleine braune Vogel verdoppelt während seiner Rast hier sein Gewicht von 100 auf 200 g, wird er dabei gestört, nimmt er nicht genug zu und stirbt im Flug auf seiner Weiterreise.

Hilfswissenschaftliche Arbeiten

Dazu zählen vor allem die Vogelzählungen. Diese finden alle 2 Wochen, bei Springtide, statt: Je höher das Wasser, desto näher sitzen die Vögel an Land beisammen und desto besser kann man sie zählen.
Von April bis Juni haben wir außerdem die Brutvogelkartierung durchgeführt. Dazu sind wir alle 5 Tage durch unser Gebiet gelaufen und haben geschaut, welche Vögel balzen und dann auffällig und stetig rumsitzen – und eventuell brüten. Leider ist der Bruterfolg auf Sylt seit dem Bau des Hindenburgdamms eher gering, denn mit der Landverbindung kam auch der Fuchs.

Gebietsbetreuung

Regelmäßig gehen wir durch unser Gebiet und schauen, ob alles in Ordnung ist. Totvögel, verschleppte/kaputte Eier und tieffliegende Flugzeuge, die schlimmstenfalls Vögel aufscheuchen, gehören zu den Dingen, die wir an die Hauptamtlichen weitergeben.
Bei mir kommt noch die Betreuung der Schafe auf „meinem“ Deichabschnitt hinzu. Tote oder verletzte Schafe (Hunde gehören an die Leine!) melde ich dem Schäfer, auf dem Rücken liegende Schafe drehe ich um, weil es sonst die Organe zerdrückt und das Schaf stirbt. Das musste ich bisher ein Mal machen.

Küstenschutz

Der Küstenschutz gehört eigentlich nicht zu meinen Aufgaben, im Gegenteil wollen Küsten- und Naturschutz oft sogar unterschiedliche Dinge.
Da ich aber auf einem Bauhof des Küstenschutz‘ stehe, habe ich viel mit den Mitarbeitern zu tun.
Diese Woche war ich beim Lahnungsbau mit der Ramme dabei, durfte auf dem Trekker beim Rasenmähen auf dem Deich mitfahren und mit dem Boot zur Schute (hier liegen die Materialien für den Lahnungsbau) schippern. Toll war’s!

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Geschichten im Bauwagen

Tatsächlich hat mich bereits die nächste Geschichte erreicht! Zwar spiele dieses Mal nicht ich die Hauptrolle, aber @derkante hat eine berührende Geschichte geschrieben, die zum Nachdenken anregt.
Haltet die Taschentücher bereit!

Die Mücke.

Die Nacht war hereingebrochen, sie lag wie ein dunkler Mantel über der Insel. Die Wärme des Tages war noch spürbar. Es war eine jener Nächte, in denen es nicht kalt zu werden scheint. Es gab nur die Dunkelheit. Das Meer war gegangen, in einigen Stunden würde Niedrigwasser sein und selbst der Wind schien zu schlafen.

Von einer Wiese erhob sich die kleine Stechmücke zu ihrem vorsichtigen Flug durch die Nacht. Die Hitze des Tages hatte sie geschützt im Gras verbracht und erst in der Dämmerung war sie aktiv geworden. Dabei wollte sie sich nicht immer verstecken müssen. Doch sie war klein. Und sie war wehrlos.

Auf ihrem Flug über die nächtliche Wiese begleitete sie nur das leise Summen ihrer Flügel, ein vertrautes Geräusch in ihrer Welt. Rastlos flog die kleine Mücke umher. Sie überflog die ruhige Wiese, sie flog über den Deich. Leise summte sie alleine durch die Dunkelheit, als sie in der Ferne ein kleines Licht entdeckte. Es schien ihr so, als wäre es am anderen Ende der Welt, hatte sie doch keine Vorstellung von der Unendlichkeit. Sie war klein. Sie war allein.

Sie steuerte auf das Licht zu. Es musste etwas bedeuten und sie hatte schon oft davon geträumt. Vielleicht gab es dort weniger Vögel, die nach ihr schnappen würden, wenn sie sich tagsüber anschickte zu fliegen. Oder weniger Fledermäuse, die nachts als lautlose Schatten Jagd auf sie machen würden. Die kleine Mücke wusste es nicht, aber sie hoffte es. Sie war klein. Sie war hilflos.

Die kleine Mücke spürte die Erschöpfung. So sehr sie sich auch bemühte, schien sich sich doch kaum vorwärts zu bewegen. Und was war, wenn alles ein Fehler war? Wenn es ein Fehler war, das geschützte Versteck auf der Wiese zurückzulassen und diesen stundenlangen Flug zu wagen? Doch sie hatte bereits einmal erlebt, wie der Boden auf einmal bebte und sämtliche Grashalme weggeschnitten wurden. Das Chaos und den Schrecken wird sie niemals vergessen. Sie war klein. Und sie hatte Angst.

Und so flog sie weiter. Sie ignorierte die Erschöpfung und war sich sogar sicher, dass sie es schaffen würde. Die Dunkelheit bot ihrem Flug Schutz und das ersehnte Leuchten war schon größer. Die kleine Mücke war sich sicher, dass sie es diesmal erreichen würde. Sie war klein. Aber sie war entschlossen.

Und so erreichte sie tatsächlich die Quelle des Lichts. Es drang aus einem Bauwagen und versprach Sicherheit. Die kleine Mücke war so glücklich, dass sie es geschafft hatte und keine Angst mehr haben müsste. Sie näherte sich dem Licht, doch plötzlich hielt sie ein dünnes, feinmaschiges Netz davon ab weiterzufliegen. Sie flog nach oben und nach unten, doch überall schien der Weiterflug unmöglich. Sie war klein. Sie war ratlos.

Als sich die kleine Mücke umblickte, bemerkte sie, dass auch andere Mücken versuchten, diese Grenze zu überwinden. Sie war so nah am Ziel und konnte die Lichtquelle bereits sehen. Es musste doch einen Weg geben. Sie hatte so oft geplant, diesen Flug durchzuführen, und ganze Tage davon geträumt. Es musste einfach einen Weg geben. Noch einmal flog sie ganz dicht an die Grenze aus feinem Netz, als sie mit einem Mal im Flug hängen blieb. Noch einmal spürte sie Angst, Hilflosigeit und Einsamkeit.

Als am nächsten Morgen die ersten Sonnenstrahlen das Bauwagenfenster trafen, war die kleine Mücke in dünne, seiden glänzende Fäden eingewebt. Sie war tot.

Geschichten im Bauwagen

Gestern Abend habe ich auf Twitter bedauert, dass ich momentan nicht lesen könne, weil ich Lust auf einen Thriller habe, aber leider alle im Bauwagen schon gelesen sind.

Einer meiner Follower, @MarioDreizehn, schrieb mir daraufhin diese wunderbare Kurzgeschichte:

Die Sonne war untergegangen und die Dünen lagen endlich blau im Dämmerlicht, nun war es an der Zeit. Zeit, sich auf den Weg zu machen, Zeit, die bereitgelegten Werkzeuge und Seile im Rucksack zu verstauen und die Sturmhaube aufzusetzen. Vorsicht war trotz der fortgeschrittenen Stunde noch immer geboten, natürlich gab es immer das ein oder andere Touristenpaar, das auf romantischen Abendspaziergängen die Gegend durchwanderte, aber die hatten meist nur Augen füreinander. Vorsichtig und behutsam musste er sich dem Bauwagen nähern, dann war das eine sichere Sache und die Überraschung auf seiner Seite.
So machte er sich auf den, weil er klug war natürlich in Sandfarben, nicht wie ein Amateur in Schwarz, so dunkel, dass das etwas nützte, würde es hier selbst bei Neumond kaum.
Er kam ihrer Behausung immer näher, ohne dass ihn ein Mensch, turtelndes Pärchen oder nicht, gestört hätte. Noch eine Düne, eine Windung, dann wäre es geschafft. –
Sie lag unterdessen nichtsahnend in ihrem Bett, den Blick aufs Smartphone gerichtet und vertieft in ihren Microbloggerdienst. Die Katze lag gemütlich gegen sie gelehnt und schnurrte, während sie von ihr selbstvergessen gestreichelt wurde.
Doch plötzlich schreckte die Katze hoch und sprang zum Fenster. Sie blickte verwirrt auf und fragte: „Was ist denn los, Lina?“. Langsam löste sie sich von der Matratze und blickte mit ihrer Katze in die Dunkelheit, konnte aber nichts entdecken. –
Verdammt, warum war er nicht vorsichtig genug gewesen und warum war ausgerechnet hier soeben ein Fasan vorbeimarschiert? Natürlich hatte sich das Mistvieh erschreckt und war aufsehenerregend geflohen. Jetzt rührte sich etwas im Bauwagen, aber er blieb ganz still, sie würde ihn niemals entdecken. –
Zusammen mit ihrer Katze starrte sie in die Dunkelheit: „Ach, du Spinnerkatze“, sagte sie schließlich, als sie auch nach noch so viel Starren nichts entdecken konnte, und legte sich zurück in ihr Bett. –
Als er sich sicher war, dass sie ihn nicht sehen würde, ging er an sein düsteres Werk, das bis zum Morgen dauern würde. –
Schließlich erwachte sie und fand ihren Bauwagen mit einer provisorischen Terrasse versehen. Er hatte die ganze Nacht still daran gearbeitet.

Vielen Dank für diese Geschichte! Ich fand sie ja umso toller, da ich beim Lesen tatsächlich im Bett lag. Mit meinem Handy in der Hand und der schnurrenden Katze neben mir.

Wie fandet ihr die Geschichte? Wollt ihr mir vielleicht auch eine schreiben? Ich würde mich sehr darüber freuen!🙂

Eine Terrasse habe ich heute Morgen übrigens leider nicht vorgefunden …

Beringung der Löffler auf Föhr

Am Dienstagmorgen fuhren 3 Kollegen und ich nach Föhr, um gemeinsam mit anderen Freiwilligen die dortigen Löfflerküken zu beringen. 

Schon die Hinfahrt war schön. Nach NOB (7€) und neg (8,50€) setzten wir von Dagebüll mit der Fähre (13,50€) nach Föhr über. Dort angekommen, liehen wir uns Fahrräder aus. Dann ging es immer am Deich entlang zum Treffpunkt. Unterwegs flogen die ersten Löffler über ins hinweg und sahen wir flauschige Eiderentenküken. 

Am Treffpunkt wurden wir mit kleinen Plastetütchen ausgestattet – Löffler übergeben sich, wenn sie gestresst sind, das Erbrochene sollten wir aufsammeln, damit es untersucht werden kann – und besprachen, wie wir zur Kolonie gelangen und dann vor Ort vorgehen: einkreisen und beherzt zupacken!

Empörte aufgescheuchte Möwen


Über die Salzwiese und durchs Watt gelangten wir in die Brutgebiete – und scheuchten dabei eine Menge empörter Möwen auf. Kurz vorm Zielort bildeten wir eine Kette und umkreisten so die Löfflerjungen. Nur die, die bereits groß genug waren, die Nester zu verlassen. Die jüngeren haben sowieso noch zu kurze Beine.

Diese Küken sind noch zu klein für die Beringung


Eins nach dem anderen packten wir die Jungen, dann gab es 2 Arbeitsschritte: Erst wurden sie mit je 3 Farbringen an jedem Bein beringt, dann wurde ihnen noch Blut abgezapft.

Wir durften bei jedem Schritt helfen. Einer packte ein Jungtier, zwei hielten die Beine beim Beringen fest, einer drückte den Flügel zum Blutabnehmen fest, damit der Löffler stillhielt, einer trug ihn von der ersten zur zweiten Station. Die übrigen Helfer waren damit beschäftigt, die eingekreisten Löfflerjungen in Schach zu halten.

Die Löfflerjungen haben immer wieder versucht, auszubrechen


Als einer ausbüchste, musste ich ihm hinterherlaufen und ihn wieder einfangen. Beim Beringen half ich, indem ich die Beine senkrecht hochhielt, und auch beim Blutabnehmen war ich dabei. Letzteres eher unfreiwillig, ich hasse Nadeln und Spritzen. Damit die Löffler nicht in Panik gerieten, bekamen sie während der Prozedur eine Socke über den Kopf gestülpt.

Zum Beringen wurden die Jungtiere auf den Rücken gelegt


Nachdem sie beide Stationen hinter sich hatten, wurden die Löffler wieder in die Freiheit entlassen – mit nun klappernden Beinchen.

Wir gingen mit den anderen Freiwilligen noch in ein Café (3,50€) und ein Eis essen (0,50€), dann gaben wir die Räder ab und zurück ging es mit Fähre, neg und NOB. Was für ein Erlebnis!

Ausflug nach Föhr: 39€

So ein Erlebnis: unbezahlbar

Ein ganz normaler Tag als Vogelwart auf Sylt

Da gestern Seenebel herrschte, musste die benachbarte Station in Rantum, die eine Jugendherberge betreut, die Wattwanderungen absagen und auf heute verschieben. Da sie heute für 7 parallel stattfindende Wattwanderungen zu wenig Leute sind, baten sie mich einzuspringen. Also schwang ich mich um 9 auf mein Rad und fuhr die 12 km nach Rantum. Weil ich hier keine Waschmaschine habe, nahm ich meine Wäsche gleich mit. Man bekommt hier ein anderes Gefühl für Entfernungen. Und für Pragmatismus.

Um 10.15 ging ich mit einer 4. Klasse und ihren 2 Lehrerinnen ins Watt. Das kannte ich schon vom letzten Mal – vor 2 Wochen musste ich schon mal aushelfen. Neben den üblichen Störenfrieden gibt es zum Glück auch sehr begeisterte und interessierte Kinder. Am begeistertsten sind alle, wenn es am Ende ins Schlickloch geht. Da sinkt man bis zum Knie ein, manche Kinder fallen hin, alle sehen aus wie kleine Schweinchen und einer musste heute seine Gummistiefel zurücklassen, weil er zu tief feststeckte. Schwund ist immer.

Danach ging es mit einer Freundin die 12 km zurück zu mir. Sie ist für die Vögel im Rantumbecken zuständig, ich zeigte ihr, was mejne Felder so zu bieten haben. Endlich sah ich auch den Kuckuck, der hier seit etwa 2 Wochen ruft. Unterwegs trafen wir Hobby-Ornithologen, mit denen ich bekannt bin, seit wir zusammen Mornellregenpfeifer angeguckt haben.

Nachmittags stand wieder Brutvogelkartierung an. 17.58 Uhr war Hochwasser, 1,5 Stunden vorher und nachher kann man die Hochwasserbrüter kartieren. Da das Wetter nicht so gut war – seit dem Mittah regnete es und die Sicht war entsprechend getrübt – hielten sich die Vögel leider etwas bedeckt. Als ich an meinem vorletzten Aussichtspunkt gerade Stativ und Spektiv zusammengepackt hatte, wälzte sich neben mir ein dickbewolltes Schaf auf dem Deich – und kam nicht mehr hoch. Ein Lamm kam neugierig näher und wurde mit den Hufen weggekickt. Da das Schaf am Hang lag, hatte ich die Hoffnung, dass es sich selbst wieder in die richtige Position rollt. Aber nein. Auf dem Rücken liegende Schafe schaffen es normalerweise nicht, sich wieder aufzurichten, das gehört mit zu meinen Aufgaben. Also legte ich ab und näherte mich den wild rudernden Hufen. Beim 3. Anlauf schafften wir es, das Schaf stand. Es blökte empört, die ganze Herde blökte empört, alle schauten mich böse an und einige verfolgten mich sogar. Ich nahm Reißaus und guckte wieder Vögel. Das ist ungefährlicher.

Rezension: Klaus Schuker – Engelsspiel

Es gibt Bücher, die mein Vorhaben, nie eines abzubrechen, ziemlich ins Wanken bringen. Engelsspiel von Klaus Schuker gehört leider dazu.

Nach einer Firmenfeier nimmt Daniel eine Tramperin mit, unterwegs haben die beiden Sex. Am nächsten Tag wird er der Vergewaltigung des Mädchens – Janina – beschuldigt. Er bestreitet die Vorwürfe, doch alles spricht gegen ihn. Seine eh schon angeschlagene Beziehung geht in die Brüche, seine Freundin verlässt ihn und nimmt seine geliebte Tochter mit. War es wirklich eine Vergewaltigung oder steckt ein Plan hinter dem Ganzen?

Es war natürlich keine Vergewaltigung, sondern Janina hat sich alles ausgedacht – das verrät bereits der Klappentext. Nach wenigen Seiten dürfte jedem halbwegs intelligenten Leser auch klar sein, was die 17jährige damit bezweckt, das Buch hält also keinerlei Überraschung mehr bereit, es fehlt an Spannung. Die ganze Zeit hoffte ich auf die angekündigte Rache, die durchaus ganz nett ist, aber auf wenigen Seiten kurz abgehandelt wird.

Ich fand keine der Figuren sympathisch – von authentisch ganz zu schweigen -, weswegen ich auch emotional nicht mitfieberte.

Die Handlung, die der Klappentext als „Der Krimi eines Polizisten – voll aus dem Leben“ anpreist, ist m.E. größtenteils unglaubwürdig.

Die Dialoge sind hölzern und lassen von vornherein erahnen, worauf sie hinauslaufen sollen.

Unfassbar genervt haben mich vor allem 2 Dinge: Daniel nennt seine Tochter fast nur „Engelchen“ und es wird die ganze Zeit darauf herumgeritten, dass Daniel, selbst wenn es keine Vergewaltigung gewesen sein sollte, immerhin Sex mit einer Minderjährigen hatte. Janina ist 17, sie darf Sex mit älteren Männern haben. Ein Polizist sollte das wissen. Dass er damit und mit etwas gröberem Sex offenbar moralische Probleme hat, sollte nichts zur Sache tun.

Gefallen hat mir die Kapiteleinteilung in Zeit vor und nach der Tat, den Gedanken und die Ausführung der Rache fand ich interessant, aber viel zu schnell abgehandelt.

Ich vergebe 1 von 5 Sternen.

Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars🙂

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Sylt: soziales und kulturelles Leben

Ich bin jetzt schon seit zwei Monaten hier, seit einem Monat wohne ich im Bauwagen. Langsam wird es Zeit umzuschalten vom Urlaubsmodus zu „Ich arbeite, wohne und lebe jetzt hier“ und dementsprechend am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Auch wenn das vielleicht ein etwas großer Begriff ist.
Bereits in meiner 2. Woche war ich mit der Kollegin aus dem anderen Bauwagen in der Sylter Tagesbar zu einem Konzert. Die Atmosphäre war angenehm, wir nahmen uns vor, das öfter zu machen, doch leider schloss die Bar zum 01. Mai.
Am Ende eines jeden Monats findet in meinem Ort ein Poetry Slam statt. Ich hatte bisher noch nie einen gesehen, also gingen die Kollegin und ich am 29.04. ins Muasem Hüs – und es war toll. Am meisten hat mir ein Beitrag gefallen, der außerhalb des Wettbewerbes lief: Mona Harry mit Norden.
In der Nacht zum 01. Mai war ich mit 2 Freundinnen auf Kneipentour. Während die Kollegin sich ein Fitness-Studio gesucht hatte, wollte ich eher eine Kneipe finden. In Westerland wurden wir dann fündig: Das Cheers ist gemütlich und der Besitzer bekannt für seine große Musiksammlung. Und bei 11km pro Strecke brauche ich auch kein Fitness-Studio😀
Allerdings habe ich auch noch den ebenfalls gemütlichen Friesenpesel im Ort, falls mir mal nach etwas Nähergelegenem ist …
Auch zum Männertag gingen wir wieder zusammen weg: Im Morsum Hüs spielte eine Sylter Band, die Oldie-Rock coverte. Die Stimme des Sängers hätte ich am liebsten mit nach Hause genommen😀
Überhaupt haben das Muasem Hüs und die Morsumer Kulturfreunde überraschend viel zu bieten für einen verhältnismäßig wenig vom Tourismus geprägten Ort wie Morsum.
Montags gibt es eine Bücherbörse, da kann man für 2 € Bücher kaufen oder sie, wenn man sie ausgelesen hat, gegen andere austauschen. Ideal bei meinen derzeitigen Platzverhältnissen.
Am 11. Mai waren die Kollegin und ich zu einem Konzert des FineArts-Gitarrenduos, Barock und Moderne im Dialog, eine interessante Kombination in sehr kleinem Kreis, fast herrschte Wohnzimmeratmosphäre.
Am 06. Mai nahm ich an einem Strandspaziergang mit MdB Konstantin von Notz am Strand in Wenningstedt teil. Zum einen habe ich hier keinen Strand, zum anderen wollte ich ja mal jeden Ort auf der Insel besuchen. Dank des kräftigen Ostwindes war der Strand voller Rippenquallen, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Das Wissen konnte ich gleich bei meinen Wattwanderungen anbringen🙂
Am 16. Juni veranstalten die Kulturfreunde eine Landpartie, die Schutzstation wird sich mit einem Info-Tisch beteiligen, an dem wahrscheinlich die Kollegin und ich vertreten sein werden, da wir ja vor Ort wohnen.
Und am 21. Mai, dem Tag nach meinem Geburtstag, findet das alljährliche Anbaden statt. Momentan sind 13º vorausgesagt – brrr!
Mittlerweile (er)kennen mich manche Menschen im Ort, laden mich zu sich ein, bieten mir ihre Hilfe an oder winken mir im Vorübergehen zu.
Ich bin vielleicht noch nicht hier angekommen, aber ich fühle mich hier sehr willkommen!

Dinge, die ich während meiner Zeit auf Sylt machen möchte

  • jeden Ort der Insel besuchen
  • meine Ernährung umstellen ✔️ Das ging schneller als gedacht. Da in der Bretterbude, wo ich die ersten 3 Wochen gewohnt habe, vegetarisch gekocht wird, habe ich kein Fleisch gegessen, seit ich hier bin. Allerdings konnte ich in den ersten 2 Wochen den Fischbrötchen nicht widerstehen.
  • von Amrum nach Föhr laufen
  • Helgoland besuchen
  • Segeln lernen – das habe ich mir anstelle eines Urlaubs vorgenommen
  • ein Selfie mit einem Schaf
  • mir den Lieblingssatz aus der Lieblingserzählung meines Lieblingsautors tätowieren lassen 

Brutvogelkartierung

17.04.2016 – Die Vorbereitungen
Da momentan noch keine Saison ist, finden – zumindest in den Gebieten der Vogelwarte – noch relativ wenige öffentliche Veranstaltungen wie Wattwanderungen oder ornithologische Führungen statt. Beschäftigt sind wir natürlich trotzdem. Neben den wöchentlichen Vogelzählungen findet zwischen dem 11. April und dem 10. Juni die Brutvogelkartierung statt.
Dazu wurde dieser Zeitraum in Zählabschnitte unterteilt, in denen wir in unsere Gebiete, die nochmals in kleinere Bereiche eingeteilt sind, gehen und nach Brutpaaren Ausschau halten. Theorie und Übung dazu fanden während unseres Einführungsseminars auf Amrum statt.
Mein erstes Kartierungsintervall für Kiebitze und Uferschnepfen begann am 16. April, ein Intervall dauert 5 Tage. In der ersten Hälfte des Kartierungszeitraumes werden die Niedrigwasser-Arten gezählt, danach die Hochwasser-Arten.

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Ich habe 4 Gebiete zum Kartieren. Da ich gestern und heute jeweils eine Wattwanderung habe, habe ich den Start für mein erstes Intervall auf morgen gelegt. Heute war ich mit dem Rad in einem meiner Gebiete unterwegs, um zu schauen, wo Wege langführen und von wo aus man einen guten Blick in die Felder hat. Es ist das Gebiet im Hinterland, das man vom Deich aus am schlechtesten überblicken kann. Zu meiner Beruhigung ist es aber kleiner, als es auf der Karte wirkte.

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Morgen geht es also los. Ich habe hier 7.39 und 20.00 Uhr Niedrigwasser, ich muss also früh aufstehen – brrr!
Auf meiner Begehung heute habe ich ein Kiebitz-Paar, ein Rotschenkel-Paar und ein Austernfischer-Paar gesehen, außerdem konnte ich Brandgänse bei der Balz beobachten🙂

20.04.2016 – Der erste Zähldurchlauf

So. Das erste von insgesamt 8 Zählintervallen ist geschafft. Innerhalb von 3 Tagen habe ich 4 Gebiete ausgezählt. Eigentlich zählt man momentan nur Kiebitze und Uferschnepfen, man soll aber eigentlich alles zählen, was wie ein Brutpaar aussieht.
Im ersten Durchlauf habe ich gesehen:

44 Grauganspaare
31 Austernfischerpaare
18 Brandganspaare
13 Kiebitzpaare
9 Rotschenkelpaare
7 Uferschnepfenpaare
4 Pfuhlschnepfenpaar
3 Säbelschnäblerpaare
2 Sandregenpfeiferpaare
1 Kormoranpaar

Die Zahlen können sich noch ändern, da sich möglicherweise nicht alle Zweiergrüppchen am Ende wirklich als Brutpaare herausstellen. Ich habe im ersten Durchlauf lieber zu viele als zu wenige notiert.

Beim heutigen Gang durchs Hinterland haben mich 2 Kolleginnen begleitet. Wir waren erstaunt über die 7 Uferschnepfenpaare, Uferschnepfen sind wohl recht selten. Ich habe das erste Mal Säbelschnäbler gesehen und wir konnten Austernfischer bei der Paarung beobachten.

Auch für mich ist die Brutvogelkartierung ganz nützlich: Am Freitag findet meine erste ornithologische Führung statt und ich weiß nun, wo wer im Gelände sitzt und vielleicht sogar brütet🙂

Seminar auf Amrum

Vom 04. bis zum 08. April fand das Einführungsseminar für die HalbjahresBFDler auf Amrum statt. Hier lernten wir alles, was wir die nächsten 6 Monate für die Arbeit wissen müssen, und noch ein kleines bisschen mehr. Untergebracht waren wir im Schullandheim Ban Horn – es fühlte sich an wie eine Klassenfahrt. So war das Seminar dann auch eine gute Möglichkeit, die Freiwilligen der anderen Stationen sowie einige Hauptamtlichen und ihre Arbeit kennenzulernen.
Am Montag trafen wir uns vormittags alle im Nationalparkhaus in Husum. Hier gab es erste kurze grundlegende Vorträge z.B. über Pressearbeit und Schutzgebietsbetreuung, außerdem erhielten wir unsere T-Shirts. Danach ging es mit der Fähre nach Amrum und zu Fuß ins Schullandheim. Unterwegs erwischte uns ein richtig fieser Regen, was für ein Start. Das Wetter blieb leider durchwachsen, aber das Programm war eh so voll, dass kaum Zeit blieb, um mal an den Strand zu gehen oder die Insel zu erkunden.

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Am 1. Abend spendierte ein Bäcker aus dem Ort uns Friesentorte

Nach dem Abendessen machten wir noch eine Exkursion ins Watt und beschlossen den Abend mit einer Präsentation über Würmer. Ja, über Würmer. Denn im Watt tummeln sich viel mehr Würmer als der allseits bekannte Wattwurm.
Nach dem Frühstück ging es am nächsten Morgen mit Spielen weiter. Wir spielten Schweinswal und Hering. Mit Augenklappen und Rufen, um zu simulieren, wie ein Schweinswal seine Beute findet. Da er in der trüben Nordsee nichts sieht, stößt er Klickgeräusche aus, die von Gegenständen und Lebewesen zurückgeworfen werden, wodurch er sich ein räumliches Bild seiner Umgebung schaffen kann.
Weiter ging es mit Kompass-Navigation. Bisher war ich froh, wenn ich ablesen konnte, wo Norden ist. Jetzt kann ich – zumindest theoretisch – auch meinen Standpunkt angeben. Falls ich im Watt mal von Nebel überrascht werde, was hoffentlich nie passiert.
Anschließend besuchten wir das Naturzentrum Norddorf, wo wir übten, Stationen in Ausstellungen (interessant) zu erklären. Unsere Gruppe stellte die Big Five des Wattenmeeres vor: Seehund, Kegelrobbe, Seeadler, Schweinswal und Stör. Letzterer kommt in der Nordsee wegen Überfischung nicht mehr vor.
Am Nachmittag begann der für mich wichtigste Teil. Von Mitte April bis Mitte Juni kartieren wir die Brutvögel in unseren Gebieten. Das heißt, wir ziehen mit Karten und Spektiv durch die Gegend und notieren, wo wie viele Vögel brüten. Obwohl der Bruterfolg auf Sylt wegen des Fuchses sehr gering ist, versuchen es immer wieder mal Brutpärchen – allerdings immer weniger. Die anderen sind nach Amrum oder Föhr abgewandert, wo es keinen Fuchs und somit höhere Chancen auf Bruterfolg gibt. Wir hörten einen Vortrag über die Methoden und einen über die Auswertung. Die Ergebnisse der letzten Jahre könnt ihr hier sehen.
Am Mittwochvormittag probten wir unser neuerworbenes Wissen bei einer Kartierübung entlang des Deiches. Ein bisschen graut mir immer noch vor der Kartierung, ob ich alle Vögel erkenne, ob ich darunter alle Brutpaare erkenne, was, wenn meine Ergebnisse total falsch sind?, aber trotzdem konnte mich das Seminar und vor allem die praktische Anwendung beruhigen.
Am Nachmittag ging es um den Nationalpark und dessen Nationalparkgesetz (oder besser: die Ausnahmen und Sonderregelungen dieses Gesetzes) und um die Landschaftsgeschichte des Wattenmeeres. Wie und wann ist es entstanden und was ist seitdem passiert. Welche Inseln haben sich verlagert, welche sind entstanden und welche sind untergegangen. Zur Vorbereitung auf den Vortrag spielten wir Scharade – ich musste eine Hallig darstellen und scheiterte grandios.
Der Donnerstag startete wieder mit Spielen, danach wurde es ernst. Nach Vortrag und Praxisvorführung sind wir nun formal berechtigt, verletzte Wildvögel zu töten, wenn es die Situation erfordert. Verpflichtet dazu sind wir allerdings nicht. Glücklicherweise, denn selbst im Notfall wüsste ich nicht, ob ich das könnte.
Der Nachmittag war erfreulicher. Nach einer Einführung in den BeachExplorer machten wir eine Strandwanderung. Der BeachExplorer ermöglicht die Einspeisung und Bestimmung von Dingen, Pflanzen und Lebewesen, die man an/in der Nordsee finden kann. Endlich kam auch die Sonne heraus, so war es gar nicht sooo schlimm, dass ich bis zu den Knien im Wasser stand, weil ich ohne Gummistiefel losgezogen war.

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Der Abend endete mit einem Vortrag über Fischerei und die damit einhergehenden Veränderungen der Fischbestände.
Und am Freitag ging es dann auch schon wieder zurück. Unser Terminplan war so vollgestopft, dass wir einige Veranstaltungen ausfallen lassen mussten. Trotzdem begannen unsere Tage um 8 Uhr mit dem Frühstück und endeten die Vorträge gegen 22 Uhr. Es war anstrengend, jeden Tag stürmten wir regelrecht die Küche, aber es hat auch viel Spaß gemacht und ich habe diese 4 Tage für meine kommende Arbeit hier vor Ort als sehr hilfreich empfunden.

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Tschüs, Amrum

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